von Dr. Ulrich Hauth

Aller Anfang ist schwer

Fußball ist heute ein Massensport, den Millionen Spieler in aller Welt betreiben. Großereignisse, wie die letztjährige Weltmeisterschaft in Deutschland werden per Fernsehen bis in die letzten Winkel der Erde getragen. Von daher ist es heute nur schwer verständlich, dass es der Fußball speziell in Deutschland anfangs schwer hatte, sich sowohl sportlich als auch gesellschaftlich zu etablieren. Ein Grund dafür lag darin, dass es in der schon Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Deutschen Turnerschaft (DT) eine mehr oder weniger heftige Abneigung gegen den oft als "Fußlümmelei", "Proletensport" oder "rohes Spiel" diffamierten Fußball gab. Hinzu kam, dass diese Ballsportart, die zwischen 1880 und 1890 dem Mutterland des Fußballs, "importiert" worden war, gerade bei gutbürgerlichen, deutsch-national gesinnten Kreisen auf nicht unerheblichen Widerstand stieß. Wie dem auch sei: Die meisten Turnvereine weigerten sich damals, Fußballer in ihre Reihen aufzunehmen. Das führte dazu, dass sich jene in eigenen "Clubs", so genannt nach dem englischen Vorbild, organisierten. Am 28. Januar 1900 wurde demzufolge abseits der Turnerschaft in Leipzig der "Deutsche Fußballbund (DFB)" gegründet. Drei Jahre später, am 31. März 1903, fand in der damals noch selbstständigen Stadt Altona (heute ein Stadtteil von Hamburg) das erste Endspiel um die Deutsche Meisterschaft statt. Dabei besiegte der VfB Leipzig den "Deutschen Fußballclub" (DFC) Prag mit 7:2 und war somit erster Deutscher Fußballmeister. Wobei neben dem hohen Ergebnis noch eine andere erstaunliche Tatsache zu vermerken ist: Prag gehörte überhaupt nicht zum Deutschen Reich, sondern zum Landesteil Böhmen (heute Tschechien) des österreichisch- ungarischen Kaiserreichs. Aber da damals dort viele Deutsche einheimisch waren, nahm man es offensichtlich mit der Abgrenzung nicht so genau...... Im Jahr 1908 führte die Deutsche Nationalmannschaft ihr erstes offizielles Länderspiel gegen die Schweiz in Basel durch und verlor mit 3:5.

Zurück nach Kirn!

Wie das noch vorhandene erste Protokollbuch beweist, wurde am 25. Juli 1907 der "Sportclub Nahe", der Vorgänger des heutigen VfR 07 gegründet. Der Sportclub war jedoch nicht der erste Kirner Sportverein. Bereits 45 Jahre zuvor war der Turnverein Kirn, die heutige TuS 1862, aus der Taufe gehoben worden. 1884 entstand als Konkurrenz dazu die von Kleinbürgern und Arbeitern dominierte "Turngesellschaft 1884", die sich aber 1919, also nach dem Ersten Weltkrieg, mit dem Turnverein zur Turnvereinigung Kirn zusammenschloss. Zunächst widmeten sich diese beiden Vereine nur der "edlen deutschen Turnerei", wie es im zeitgenössischen Jargon hieß. Erst Anfang der 1920er Jahre kamen dann bei der "Turnvereinigung", Leichtathletik, Handball und kurzzeitig sogar eine Fußballabteilung dazu. Um die Jahrhundertwende jedoch war das "Hinterherlaufen nach dem Ball" bei den Kirner Turnern noch kein Thema! Die Fußballer gingen also eigene Wege. Im Jahr 1904 wurde mit dem FC "Viktoria" ein erster Kirner Fußballclub gegründet. Ein Verein, der offenbar nur kurze Zeit existierte; über ein weiteres Schicksal ist jedenfalls nichts Näheres bekannt. Drei Jahre später war es dann soweit! In der 1957 von Fritz Stephan verfassten Vereinschronik lesen wir: "Am 17. Juli 1907 hoben die Kirner dann noch einen "Sportclub Nahe" aus der Taufe, jenen Verein also, der sich heute "Verein für Rasenspiele" nennt. Ludwig Herrmann, Robert Friedrichs, ein Kaufmannsgehilfe Krätzer und Ferdinand Gebhardt waren die Initiatoren. Die ersten "Gehversuche" wurden auf der Ritterswiese gemacht. Später schlug der Verein sein Domizil auf der anderen Naheseite, hinter der früheren Fleischmann´schen Wirtschaft auf. Die erste Versammlung des "Sportclubs Nahe" wurde am 25. Juli 1907 abgehalten. Auf der Tagesordnung standen die Wahl der 1. Mannschaft, die Aufnahme neuer Mitglieder und die Beschaffung zweier Fähnchen für die Linienrichter. Das erste Protokoll unterzeichneten der Vorsitzende Ludwig Herrmann und ein Schriftführer Krämer. In der Generalversammlung am 3. Oktober des gleichen Jahres wurde der erste gewählte Vorstand gebildet, dem Ludwig Herrmann als Präsident, Karl Brenk als Schriftführer, der Kassierer Ludwig Strehl, die Zeugwarte Josef Merscher und Friedrich Britzius sowie die Spielwarte Jakob Mecking und Jakob Petry angehörten. Bereits diese Generalversammlung ernannte August Strehl einstimmig zum Ehrenmitglied des „Sportclubs Nahe". ( Zit.n. "50 Jahre VfR 07 Kirn", Kirn 1957 S. 19)

Das erste Spiel wurde mit dem Fußballclub "Nahetal" Kreuznach abgeschlossen. Wie diese Premiere endete, ist in den Vereinsprotokollen nicht vermerkt. Wohl aber sind dort die Spieler der ersten "VfR" Mannschaft aufgeführt: Adolf Tatsch, Karl Brenk, Jakob Petry, Heinrich Dries, Friedrich Britzius, Otto Kahlstadt, Josef Merscher, Karl Zimmermann, Fritz Tatsch, Jakob Mecking und Ludwig Strehl. Im Spieljahr 1912/13 wurde, wie im Protokollbuch stolz vermerkt, der Sportclub Nahe erstmals Meister der C-Klasse. So stieg man in die B-Klasse auf, der die Mannschaft bis 1914 angehörte.

Erster Weltkrieg und Neubeginn

Mitten in diese Aufbauzeit platzte im August 1914 der Erste Weltkrieg. Die Fußballvereine mußten ihre Trikots mit der feldgrauen Uniform der Soldaten tauschen. Wie viele andere Deutsche zogen die jungen Männer zunächst begeistert in diesen Krieg. Sie ahnten nicht, was sie an schrecklichem in den kommenden vier Jahren erwarten würde. 10 Mitglieder des Sportclubs Nahe haben dann an der Front ihr Leben verloren! Der Spielbetrieb wurde zunächst ganz eingestellt, konnte ab 1916 jedoch stark eingeschränkt wieder aufgenommen werden. Erst nach Kriegsende im November 1918 war wieder an einen geordneten Spielbetrieb zu denken. Dazu heißt es in der oben erwähnten Chronik: "Am 1. Februar 1919 fand im Schützenhof die Wiedergründung des "Sportclub Nahe 1907" statt. Die große Überraschung: 360 fußballbegeisterte Kirner Bürgen meldeten sich als Mitglieder an. Kein Zweifel, die Einstellung zum Fußball hatte sich während der Kriegsjahre grundlegend geändert. Man schickte sich an, die Fußballvereine ernst zu nehmen und als gleichberechtigt anzuerkennen. Eine neue sportliche Epoche zeichnete sich ab. Unter dem Vorstand Julius Humrich, Georg Kost, Heinrich Stephan und August Fehrentz konnten sieben Mannschaften gleichzeitig spielen". ("50 Jahre VfR 07", S.27)

Im April 1919 kam es dann zum Zusammenschluss mit dem Turnverein 1862, der Turngesellschaft und dem "Sportclub Nahe" zur erwähnten "Turnvereinigung Kirn": Als Rasensportabteilung" dieses Vereins trugen die Fußballer in den nächsten fünf Jahren ihre Spiele aus. Die Wettkämpfe fanden ab 1920 auf Kyrau statt. Der dort errichtete Städtische Sportplatz, ein Hartplatz, diente auch den anderen Abteilungen der Turnvereinigung als Übungs- und Wettkampfstätte. Zum Eröffnungsspiel hatte die Rasensportabteilung den VfB Gießen eingeladen und gewann klar mit 5:0. Offensichtlich verlief jedoch das Miteinander nicht ganz so reibungslos. Denn bereits im April 1924 trennte sich nämlich die Rasensportabteilung in einer "redlichen Scheidung", wie das Protkoll vermerkte, wieder von der Turnvereinigung. Erst jetzt nahmen die Fußballer den Namen "Verein für Rasenspiele" (VfR 07) an, jenen Namen also, der der Verein - mit einer Unterbrechung - bis zum heutigen Jubiläum beibehalten hat. Und noch eine bedeutende Veränderung war inzwischen eingetreten: Carl Theodor Simon amtierte nun als 1. Vorsitzender und zeitweise als Trainer. Allein die Tatsache, dass sich dieser Spross aus der bekannten Kirner Lederdynastie begeistert für den Fußball engagierte, zeigt, welchen gesellschaftlichen Stellenwert diese Ballsportart inzwischen erreicht hatte. Auch die wachsenden Zuschauerzahlen bestätigten diese Tendenz. Vier Jahre später kam es dann zu einem sportlichen Ereignis, das die Gemüter der damaligen Kirner Fußballfreunde noch lange beschäftigte. Die erwähnte Vereinschronik gibt die damalige Stimmung plastisch wieder: "Der 11. Dezember 1927 wird den alten Kirner Fußballfreunden stets in Erinnerung bleiben. Durch ein 1:1 Unentschieden bei der Spvgg. Oberstein war der VfR 07 Meister der Kreisklasse geworden. Viele hundert Schlachtenbummler waren dabei, als der "Focki"(Willi Neis) das entscheidente Kirner Tor schoss. Eine tausendköpfige Menschenmenge wartete am Bahnhof, um die Sieger begeistert zu empfangen. Die kalte Dusche, die der Verband einige Wochen später in Form einer Aberkennung des Meistertitels ergehen ließ (Ernst Dinig soll nicht spielberechtigt gewesen sein) konnte die Freunde nicht mindern. Fritz Fuchs, Hermann Flesch, Ludwig Steffen, Hermann Groh, Fritz Gregorius, Karl Becht, Ernst Schäfer, Fritz Schwarz, Willi Neis, Ernst Dinig und Ludwig Schöll. In dieser Aufstellung war der VfR zu diesem wichtigen Spiel angetreten". ("50 Jahre VfR 07", S.27)

Neben dem Fußball wurden in den 1920-Jahren beim VfR auch andere Sportarten betrieben. Dazu gehörten die Leichtathletik, in der sich besonders Ernst Dinig und Ludwig Schöll hervortaten. Daneben existierte über mehrere Jahre ein Faustballabteilung und eine Handball-Damenmannschaft. in der u.a. Erna Böhler, Erna Dinig, Tini Jannisch und Vera Benkelberg angehörten. Letztere war auch in der Leichtathletik, vor allem im Diskuswurf überregional erfolgreich., und hat 1937 den später bekannten Kirn-Mainzer Sportprofessor Berno Wischmann geheiratet.

Weltwirtschaftskrise und erstes Vereinsjubiläum 1932

Dann aber zogen dunkle Wolken über dem VfR auf. Die 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise, die damit verbundene Massenarbeitslosigkeit und Verelendung trafen auch den Kirner Fußballverein. Zahlreiche Mitglieder traten aus, offenbar weil sie den Monatsbeitrag von 0,75 Reichsmark nicht bezahlen wollten oder schlicht nicht konnten. "Unser 25-jähriges Stiftungsfest, das am 4. und 5. Juni (1932) gefeiert wird, fällt wohl in eine der schwersten Zeiten unseres Vaterlandes." hieß es hierzug in der Kirner-Zeitung. Von daher verwunderte es nicht, dass das Jubiläum nur in kleinem Rahmen gefeiert wurde. Der"Festkommers" fand im Saale des Schützenhofes statt (kurz "Meckings-Saal). In der oberen Kallenfelser Straße, an der Hahnenbachbrücke gelegen, war er über Jahrzehnte die einzig größere Versammlungsstätte in Kirn. Der Saal war festlich geschmückt. An der Stirnwand war eine aufgehende Sonne abgebildet mit der Unterschrift: "Unsere Kraft und Gesundheit für die Freiheit des Vaterlandes!". An dem Festakt nahmen Vertreter des Öffentlichen Lebens teil, so der 2. Beigeordnete Heinrich Mittnacht, der die Glückwünsche des im Urlaub befindlichen Bürgermeisters Bongartz überbrachte. Es folgten die Grußworte von Vertretern benachbarter Sportvereine, so von der Turnvereinigung Kirn, dem 1. FC Sobernheim und des 1. FC 02 Kreuznach, einem Vorläufer der heutigen Eintracht. Die Grüße des "Süddeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes", dem der VfR damals angehörte, überbrachte deren Vertreter Blatt aus Idar. Die Festansprache hielt der erste Vereinsvorsitzende Carl Theodor Simon. - Dazu heiß es am 6. Juni in der Kirner-Zeitung: "Er führte aus, daß es nicht an der Zeit lag, rauschende Feste zu feiern, daß es aber die Pflicht sei, das 25. Wiegenfest des Vereins würdig zu begehen. Er sprach über die Aufgaben des Sportes und stellte als Leitspruch über sämtliche Veranstaltungen den Spruch Fichtes: "Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, an Deines Volkes Auferstehen, laß diesen Glauben Dir nicht rauben, trotz allem, allem was geschehen. Und handeln sollst Du so, als hinge von Dir und Deinem Tun allein, das Schicksal der Deutschen Dinge und die Verantwortung sein Dein!".

"Die Jugend", so führte Simon weiter aus, "braucht neben der körperlichen auch die geisitige Ertüchtigung, Einsatz und Wille haben mit Sport die Lücke auszufüllen, die uns der Feind durch die Beseitigung des Volksheeres gerissen hat. Wir müssen unsere Jugend ertüchtigen, sie zu tatkräftigen und wehrhaften Männern erziehen, die gegebenenfalls auch einmal wieder bereits sind, ihr Letztes und ihr Alles einzusetzen für das Deutsche Vaterland. Nur ein freies Volk kann auch wieder frei sich fühlen. An die Eltern ergeht die Mahnung: "Schickt Eure Buben und Mädchen in die Turn- und Sportvereine, in welche ist ganz gleich, damit sie den Geist empfangen für die Freiheit des Volkes und des Vaterlandes!". Ein dreifaches Hipp-Hipp-Hurra auf unser geliebtes Vaterland und die erste Strophe des Deutschlandliedes beschlossen diese Ausführungen des Vereinsvorsitzenden. Während der Festrede hatte sich auf der Bühne eine Gruppe von Buben und Mädels gestellt, die die Rede durch ihre kräftigen, gestählten Körper unterstützten." (Kirner Zeitung vom 06.06.1932)

Im Anschluss an die betont im deutsch-nationalen Zeitgeist gehaltene Veranstaltung fanden in den nächsten Tagen mehrere Wettspiele auf Kyrau statt. Es ging dabei um Pokale, die der Jubilar gestiftet hatte. Mit der Siegerehrung und einem "gemütlichen Beisammensein" schlossen die Jubiläumstage.

Unter dem Hakenkreuz

Die Machtergreifung von Adolf Hitler und den Nationalsozialisten im Januar 1933 bedeutete einen tiefen und letztlich unheilvollen Einschnitt in das politische und gesellschaftliche Leben in Deutschland. Davon wurde auch der Sport erfasst. Die Vereine und Verbände wurden nach und nach "gleichgeschaltet", also strikt auf die nationalsozialistische Politik und Weltanschauung ausgerichtet. Als oberster deutscher "Reichssportführer" fungierte nun Hans von Tschammer und Osten, der bis dahin allerdings mit Sport wenig zu tun gehabt hatte. Seine wichtigste "Qualifikation" bestand vielmehr darin, dass er der Partei schon seit 1930 als höherer SA-Führer gedient hatte. In seiner Grundsatzrede verkündetet er mit markigen Worten die Ziele nationalsozialistischer Sportpolitik: "Turnen und Sport sind nicht mehr dazu da, um das persönliche Wohlergehen von Provatleuten zu fördern. Die Leibeserziehungen bilden vielmehr einen grundlegenden Teil des nationalen Erziehungssystems. ... Für die männliche Jugend müsssen den Stätten der Leibeserziehung Pflanzstätten soldatischer (!) Tugenden und Schulen staatlichen Geistes sein.! (Zit. n. Ludger Schulze: Die Mannschaft, München 1986, S.38)

In diesem Sinn zerschlugen die NS-Machthaber schon 1933 zielgerichtet die autonomen Sportverbände und gliederten sie in 15 Fachressorts des neugegründeten "Reichsbundes für Leibesübungen" (NSRL) ein, dessen "Reichsführer" der besagte von Tschammer wurde. Der Deutsche Fußballbund (DFB) hörte also auf zu existieren und wurde zum "Fachamt 2: Fußball" des NSRL degradiert. Aber auch die einzelnen Vereine waren von der Gleichschaltung betroffen. Die Tendenz lief auf die Bildung von Groß-Sportvereinen hinaus, möglichst unter einem Nationalsozialisten als "Vereinsführer". Solche Vereine waren für die NSDAP leichter zu kontrollieren und auf die NS-Weltanschauung auszurichten. Deutlich vollzog sich diese Entwicklung bei den Kirner Sportvereinen. Am 13. April 1934 trafen sich "unter dem Druck der politischen Verhältnisse" Vertreter des VfR mit fünf Kirner Turn- und Sportvereinen im "Kinokeller". Der Versammlungsleiter, NSDAP-Ortsgruppenleiter Schneider, forderte energisch den Zusammenschluss, "um weltanschaulich ein Ganzes zu schaffen". Bei acht Gegenstimmen aus dem Athletenverein wurde mit Zustimmung von 95% aller Anwesenden der Großverein "VfL Jahn Kirn" gegründet. "Vereinsführer" wurde Heinrich Schneider, übrigens ein begeisterter Turner. Er ernannte unverzüglich die Parteimitglieder Robert Günther und Dr. Fritz Andres zu seinen Stellvertretern. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder und Abteilungsleiter wurden nicht mehr von den Mitgliedern gewählt, sondern vom "Vereinsführer" ernannt. So auch Carl Theodor Simon, jetzt Leiter der Fußballabteilung. Auch in allen anderen Vereinsangelegenheiten oblag Schneider die letzte Entscheidungsgewalt. Damit war das nationalsozialistische Führerprinzip an Stelle des demonkratischen Vereinsaufbaus getreten.

Oder wie es Heinrich Schneider schon 1933 formuliert hatte: "Alle parlamentarischen Tagungen mit ihren Abstimmungen und dergleichen werden in Zukunft wegfallen. Wir wissen, dass in dem Augenblick, in der der Vereinsführer die Verantwortung übernimmt, ein anderes Gesetz gilt." (Zit. n. "125 Jahre TuS 1862 Kirn, S.41) Ferner hieß es in der Satzung: "Mitglieder des Vereins können nur unbescholtene Deutsche werden. Als Deutsch gelten Volksgenossen, deren Eltern und Großeltern Arier sind." (Zit. n. "125 Jahre TuS 1862 Kirn, S.43)

Das heißt, jüdische Sportler konnten in dem Kirner Großverein nicht mehr aktiv sein. Größe und "Konzentration aller Kräfte" ist aber nicht automatisch mit Erfolg gleichzusetzen. Jedenfalls scheint sich der Beitritt der Kirner Fußballer zum VfL Jahn sportlich nicht bezahlt gemacht zu haben. Die erste Mannschaft war zunächst weiter in der Bezirksliga Nahe angesiedelt, stieg aber 1935 in die Kreisliga ab, wo sie auch den nächsten Jahren meist anzutreffen war. Von einem Aufstieg in die "Gauliga Mittelrhein", eine der 16 obersten deutschen Spielklassen, konnten die Rasenspieler nur träumen. Zudem spielten die Fußballer in dem von Turnern, Handballern und Leichtathleten dominierten VfL Jahn offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle. Hinzu kam, dass ihr langjähriger Förderer Carl Theodor Simon sich schließlich aus dem Verein zurückzog. Ansonsten liegen über die weiteren sportlichen bzw. sportpolitischen Entwicklungen des VfL Jahn nur wenige Quellen vor. Auch die zitierte VfR-Chronik schweigt sich über die NS-Zeit aus. ... Inwieweit jedoch der nationalsozialistische Zeitgeist die Sportatmosphäre damals prägte, zeigt ein "Fahnenspruch", den der "Vereinsälteste" Carl Matzenbach zu Beginn des vorerst letzten im Sommer 1942 Turn- und Sportfestes auf Kyrau leistete. Vor der feierlich aufgezogenen Vereins- und der Hakenkreuzfahne sprach er pathetische Worte: "Wer die Fahne liebt, dem gibt sie Halt und Trost und sie leuchtet ihm durch das Leben. War aber der Fahne verschworen ist, dem zündet sich ein heiliges Feuer im Herzen, dass er bereit ist, zu kämpfen und zu opfern. Und sollte es um das Leben gehen, Fahne, wir wissen um deine Kraft. Wir grüßen dich, unser lebendiges Deutschland und unseren großen Führer." (Zit. n. "125 Jahre TuS 1862 Kirn, S.47)

Das war im August 1942. Zu diesem Zeitpunkt war aber der von Hitler vom Zaun gebrochene Zweite Weltkrieg bereits drei Jahre in vollem Gange. An einen geordneten Spielbetrieb war jetzt nicht mehr zu denken. Die meisten Fußballer waren inzwischen wie Millionen anderer junger Deutscher eingezogen worden. Allein vom VfL Jahn mussten 27 aktive und passive Mitglieder der Fußballabteilung in dem "brodelnden Kessel der Schlachten", wie es martialisch hieß, ihr Leben lassen. In den ersten Kriegsjahren noch durch Jugendspieler aufgestockt, hatte die Fußballabteilung 1941/42 den Spielbetrieb ganz eingestellt.

Erste Zwischenbilanz

Die ersten fast vierzig Jahre verliefen für den Kirner Fußballverein sehr wechselvoll. Schon die vier verschiedenen Vereinsnamen ("Sportclub Nahe", "Rasensportabteilung der Turnvereinigung", "VfR 07" und schließlich "Fußballabteilung des VfL Jahn") deuten eine fehlende Kontinuität im Vereinsleben an. In der aufstrebenden Industriestadt Kirn war der "Sportclub Nahe" kurz nach 1900 von Kleinbürgern und Arbeitern gegründet worden, zunächst weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. "Honoratioren" und reiche Großbürger engagierten sich - wenn überhaupt - bei den Turnern oder beim im Jahr 1905 gegründeten Tennisclub. So hatten es die Fußballer anfangs auch in Kirn schwer, sportlich und gesellschaftlich Fuß zu fassen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg gelang es dem VfR eine wachsende Akzeptanz in der Stadt zu erlangen. Schnell ansteigende Mitglieder- und Zuschauerzahlen beweisen das ebenso wie das Echo, das die Vereinsspiele jetzt in den Kirner Lokalzeitungen fanden. Das Engagement von Carl Theodor Simon, Sohn der Kirner Großbürgerfamilie, ist ein weiteres Indiz für diese Entwicklung. Sportlich dagegen konnten in den ersten vier Jahrzehnten keine größeren Erfolge verzeichnet werden. Die Erste Mannschaft kam nie aus den unteren Klassen der Naheregion heraus. Was vielleicht auch daran lag, dass es sich bei den damaligen Kirner Fußballern um durchweg einheimische Amateure handelte, die aus Freude am Spiel, aber nicht für Geld oder sonstige Vergünstigungen auftraten. Nicht zuletzt haben die beiden Weltkriege den Verein immer wieder zurückgeworfen. So bedeutete das Jahr 1945 auch für die Kirner Fußballer eine "Stunde Null". Ihre große Zeit sollte aber dann bald kommen.

Dritter Neubeginn

Am 8. Mai 1945 ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Sechs Jahre lang dauerte das furchtbare Ringen, das etwa 55 Millionen Tote forderte. Darunter waren, laut einer späteren Vereinschronik, auch 57 Mitglieder der VfL Jahn. Der „Führer“ hatte in seinem Berliner Bunker Selbstmord begangen. Deutschland war besiegt und von fremden Truppen besetzt, deren Militärbefehlshaber jetzt die oberste Staatsgewalt ausübten. Es entstanden vier Besatzungszonen, wobei das südliche Rheinland, also auch Kirn, nach kurzer amerikanischer Übergangszeit von den Franzosen besetzt wurde. Deren Militärregierung verhielt sich anfangs sehr restriktiv gegenüber allen Bestrebungen, Vereine, also auch Sportclubs wieder zuzulassen. Außerdem hatten die meisten Menschen zunächst ganz andere Sorgen. Im Spätherbst 1945 war es jedoch wieder so weit. Unser Chronist Fritz Stephan hat darüber berichtet: "Anfang Oktober 1945 fand in Bad Kreuznach eine Besprechung statt, zu der alle Interessenten des Kreisgebietes eingeladen waren. Schon bei dieser Zusammenkunft wurde eine Satzung ausgearbeitet, die den Wünschen und Forderungen der Besatzungsmacht entsprachen. Als die recht umfangreichen Formalitäten endlich alle erfüllt waren, konnte zur Neugründung des "Vereins für Rasenspiele 07" aufgerufen werden. Im Gasthaus "An der Bach" trafen sich am 21. Nov. 1945 mehr als 50 Personen, meist junge Leute, die einfach wieder Fußball spielen mussten. Die Gründungsversammlung stand unter der Leitung von Peter Römer. Schnell einigte sie sich auf einen Vorstand, der sich wie folgt zusammensetzte: 1. Vorsitzender August Blasius, 2. Vorsitzender Peter Römer, 1. Schriftführer Walter Stephan. 1. Kassierer Eduard Meirer, Jugendleiter Wilhelm Schmidt, Spielausschuss Ludwig Steffen und Willi Neis." (Zit. n. "50 Jahre VfR 07", S.35f.)

Neben dem VfR wurde bald darauf der „Sportverein 1862“ zugelassen. Dieser war quasi der Nachfolger der früheren Turnvereinigung bzw. des VfL Jahn. 1951 nahm er den bis heute gebrauchten Namen "TuS 1862 Kirn" an. Fußball und die "restlichen" Sportarten gingen also wieder getrennte Wege. Was allerdings so nicht ganz stimmte. Denn für einige Jahre hatte die TuS eine eigene Fußballabteilung, aus der dann 1955 der "FC Borussia" unter seinem ersten Vorsitzenden Jakob Ibald hervorging. Aber zurück zum VfR und in die erste Nachkriegszeit. Schon vier Tage nach der Neugründung des Vereins konnte am 25. November das erste Spiel stattfinden. Auf dem "TuS-Platz" (das VfR-Gelände war noch von Bombentrichtern übersät) traf die 1. Mannschaft auf die Spvgg. Hochstetten. Es war damals nicht verwunderlich einen Nachbarverein als Spielpartner zu wählen, denn alle weiteren Verkehrsverbindungen waren noch unterbrochen, von Post- oder gar Telefonverkehr ganz zu schweigen! Trotzdem erstaunlich, denn natürlich gab es sechs Monate nach Kriegsende noch jede Menge Problem zu bewältigen. Die Spieler mussten sich beispielsweise Trikots und Schuhe selbst besorgen. Sogar die Beschaffung eines gebrauchsfähigen Fußballs bereitete Schwierigkeiten, wie Vereinsunterlagen berichten. Hinzu kam folgendes: Der sechsjährige Krieg hatte - wie erwähnt - eine schmerzliche Lücke bei den Spielern gerissen: Manche waren gefallen, andere befanden sich noch in Gefangenschaft! So kam es, dass der VfR an diesem 25. November 1945 mit einer jungen, zusammen gewürfelten Mannschaft antrat: Kuß, Humrich, Berthold Römer, Herbert Schneider, Bernhard, Schweig, Gerhard, Fickinger, Nickweiler, Knichel und Gillmann. 0:0 endete das Spiel. Wobei weniger das Ergebnis wichtig war, als allein die Tatsache, dass es zu diesem Zeitpunkt überhaupt stattgefunden hatte.

Wie im gesamten öffentlichen Leben der Stadt, so ging es in der Folgezeit auch mit dem VfR langsam, aber stetig bergauf. Dem zwischenzeitlichen Trainer Berno Wischmann - er kam bekanntlich vor der Leichathletik – gelang es, Kontinuität in die Mannschaft zu bringen. Im Jahr 1946 konnte wieder ein geordneter Spielbetrieb aufgenommen werden. Verstärkungen durch aus Gefangenschaft heimgekehrte Spieler, vor allem junge Talente aus der Nachbarschaft (Heinz Napierske und Torjäger Hermann Wahl) führten dazu, dass der VfR bereits 1947 die Nahemeisterschaft gegen den Spvgg. 08 Oberstein gewann. Zudem wurde das VfR-Spielfeld durch freiwilligen Arbeitseinsatz vieler Vereinsmitglieder nicht nur (wieder) bespielbar gemacht, sondern auch grundlegend modernisiert. Rechtzeitig zum 40. Vereinsjubiläum war so im Sommer 1947 ein kleines, aber feines Stadion auf Kyrau entstanden. Gegen TuS Neuendorf (heute TuS Koblenz) wurde das Spielfeld eingeweiht. Zu diesem Ereignis heißt es in der erwähnten Vereinschronik: "Vom 9. bis 11. August wickelte sich das Jubiläumsfest ab. Höhepunkt dieser drei Tage war die Sportfeldweihe am 10. August mit dem Freundschaftstreffen gegen TuS Neuendorf. 3000 Zuschauer brachten zunächst vor Staunen den Mund nicht zu. Fleißige Hände hatten in vielen tausend Arbeitsstunden eine Spielfeldanlage aus dem Boden gezaubert, die weit und breit konkurrenzlos blieb. Sogar eine Holztribüne stand an der Nordseite des Platzes, der nunmehr 5000 Besucher aufnehmen konnte. … Um 16.20 Uhr wurde das Schlagerspiel angepfiffen. TuS Neuendorf, zu dieser Zeit eine der spielstärksten und technisch vollkommensten deutschen Fußballmannschaften, stellte sich in der Aufstellung Adam, Schäfer, Nagel, Milz, Unkelbach, Oster, Reuter, Oden, Ahlbach, Sonntag und Warth zum Kampf. In blauem Jersey und weißer Hose, mit Kuß, Gillmann, Schweig, Stein, Malsbenden (einige Wochen vorher von Oberwesel zugewandert), Weiser, Klar, Wahl, Schmidt, Nickweiler und Reith betraten die VfRler das Spielfeld. Eine kämpferisch hervorragende Kirner Elf brachte dem haushohen Favoriten, dem Rheinlandmeister, eine 3:1-Niederlage bei. Hermann Wahl, der gefürchtete Torjäger an der Nahe, setzte den späteren Nationaltorwart Karl Adam dreimal schachmatt." (Zit. n. "50 Jahre VfR 07", S. 47)

Weiter bergauf

Unterstützt von Gönnern, nicht zuletzt mit "Fresspaketen", also mit den immer noch knappen Lebensmitteln versorgt, erreichte die 1. Mannschaft 1948 in der neu gegründeten Landesliga Süd hinter Eintracht Trier den 2. Platz. Ein Jahr später aber errang man unter Trainer Karl Jorbandt sogar die Meisterschaft und konnte in die Zonenliga, so hieß die spätere Oberliga Südwest damals, aufsteigen. Der VfR war somit 1949 zum ersten Mal in seiner Geschichte erstklassig!Die Freude, einer der höchsten deutschen Spielklassen anzugehören, währte allerdings nur ein Jahr. Der Mannschaft mit: Hettfleisch, Kuß, Weiser, Balbier, Reemen, Nickweiler, Wahl, Pies, Schuckmann, Porger, Schweig und Reith, fehlte es an Erfahrung und taktischer Einstellung. Hinzu kamen große Schwächen in der Deckung und oft ein Mangel an Kondition. Vor allem auswärts, wo kein einziger Punkt geholt werden konnte, setzte es zum Teil herbe Niederlagen. Schlappen wie das 12:3 beim 1. FV Kaiserslautern (nach 4:3 Zwischenstand!), das 11:1 bei TuS Neuendorf, 9:1 VfL Neustadt, 6:0 bei der Spvgg. Andernach sowie zwei 6:2 Niederlagen bei der Spvgg. Weisenau und beim FSV Trier-Kürenz sprachen eine deutliche Sprache. Da auch zu Hause nur fünf Spiele gewonnen wurden (bei drei Unentschieden und sieben Niederlagen), war es vor dem letzten Saisonspiel klar, dass der VfR wieder absteigen musste.

Trotz allem war dieses Spiel noch einmal ein Fußballfest. 6000 Zuschauer kamen auf die Kyrau, um den Tabellenführer und Deutschen Vizemeister von 1948 1. FC Kaiserslautern zu sehen. Die Platzherren zeigten sich zwar über weite Strecken in ausgezeichneter Verfassung, mussten aber (wieder) im Endspurt noch vier Tore hinnehmen, so dass es schließlich eine hohe 2:10-Niederlage setzte. Mit 13:47 Punkten bei 42:120 Toren stieg man als Tabellenletzter wieder ab. Auch im Amt des Vorsitzenden gab es jetzt eine Zäsur. Ernst Seifert ersetzte im Juni 1950 August Blasius und sollte – wie sich bald zeigte – den Verein zu neuen Höhen führen.

Einstieg in den bezahlten Fußball.

Im Jahre 1951 erfolgte ein bedeutender Einschnitt im deutschen Fußball. Das Vertragsspielersystem wurde in den zwei obersten Klassen eingeführt. Dieses System war sozusagen ein Kompromiss zwischen dem bis dahin (offiziell) praktizierten Amateurstatut und dem Profitum, wie es etwa in England, Frankreich oder Italien schon länger galt. Die Spieler wurden nun durch einen Vertrag an ihren Verein gebunden, waren also quasi Angestellte des jeweiligen Klubs. Neben einem Grundgehalt erhielten sie Erfolgsprämien, wobei das monatliche Gesamtentgelt höchstens 320 DM (später 400 DM) betragen durfte. Dadurch sollte gewährleistet sein, dass alle Spieler neben dem Sport einen ordentlichen Hauptberuf ausübten, was in dem Vertragsspielerstatut des DFB ausdrücklich festgelegt war. Dass solche "Höchsteinkommen" für einen kleinen Verein wie den VfR Kirn nicht in Frage kamen, lag auf der Hand. Aber trotzdem bedeutete der Einstieg in den bezahlten Fußball für den VfR ein finanzielles Risiko. Die noch vorhandenen Vorstandsprotokolle aus jener Zeit geben dazu beredt Auskunft. Danach sollten die 14 Vertragsspieler in der 2. Liga Südwest ein laufendes Grundgehalt von 75 DM pro Monat erhalten. Hinzu kamen Sieg- und Meisterschaftsprämien. Der hauptberufliche Trainer stand monatlich mit 400 DM plus freier Wohnung auf der Rechnung. Bei der späteren Teilnahme in der Oberliga stiegen die Kosten naturgemäß an. Die Grundgehälter der Spieler betrugen jetzt in der Regel 100 DM, der Trainer Hentschke erhielt nun 440 DM. Hinzu kamen die Ablösesummen für "Einkäufe" auswärtiger Spieler. Diese waren allein vor der Saison 1953/54 mit immerhin 10.000 DM veranschlagt. Kosten für den Ausbau des Platzes und Wiederaufbau der im Herbst 1951 abgebrannten Holztribüne, für Busfahrten zu den Auswärtsspielen sowie für den Platzwart und Masseur Karl Reiss kamen hinzu. Neue schwarz-weiße Trikots (die bisherige Spielkleidung war blau) schlugen ebenso zu Buche wie die Ausrüstung der Spieler mit Schuhen und Trainingskleidung. Wie konnte das alles finanziert werden? Den Hauptposten bildeten naturgemäß die Eintrittsgelder: 75 Pfennig, später eine Mark für Stehplätze und 1,50 – 2 DM für die Tribüne. Hinzu kamen die Mitgliedsbeiträge, die 75 Pfennige, später eine Mark pro Monat betrugen. Diese Summen mögen uns heute gering erscheinen. Sie waren jedoch ein Spiegelbild der damals bescheidenen Einkommens- und Lebensverhältnisse breiter Schichten der Bevölkerung. Zum Vergleich: Ein Facharbeiter in der Kirner Lederwarenindustrie verdiente damals zwischen 250 und 300 Mark – im Monat! Ein wichtiger Einnahmeposten waren zudem die Zuschüsse der rheinland- pfälzischen Toto-Gesellschaft, die pro Spieljahr bis zu 13.000 DM (in der Oberliga) betrugen. Um den Etat aufzubessern, beschloss der Vorstand 1952 eine "Sammelaktion" zu starten, um Spendengelder zu "erbetteln". Am Ende des Spieljahres 1952/53 konnten so immerhin fast 10.000 DM als zusätzliche Einnahme verbucht werden. Wobei der Großteil dieser Summe von einigen wohlhabenden Spendern aufgebracht wurde. Aber damit eilen wir der Zeit voraus! Zunächst einmal ging es im Sommer 1951 darum, ob der VfR den Einstieg in den Vertragsspielerfußball überhaupt wagen sollte. Zum Glück – so muss man es im Nachhinein formulieren – beschloss der Vorstand diesen Schritt zu gehen. Erleichtert wurde das Vorhaben durch ein Zugeständnis der Spieler. Wie Herbert Pies später mitgeteilt hat, verzichteten die Akteure der 1. Mannschaft zunächst einmal auf ihr Grundgehalt, um sich mit einer Siegprämie von 40 DM pro Spiel, 15 DM bei einem Unentschieden zu begnügen.

Auf Anhieb: Meisterschaft und Aufstieg

Zehn finanzkräftige Mitglieder erklärten sich nun bereit, eine vom Verband geforderte Bürgschaft von 3.000 DM zu stellen und so wurde der Verein im Sommer 1951 in die neugegründete "Zweite Division", so hieß die zweite Liga Südwest damals, aufgenommen. Verstärkt hatte man sich durch zwei von auswärts geholte Spieler mit entsprechender Erfahrung. Neben dem Stürmer Hans Vogt von Wormatia Worms war das Anton Picard. Dieser, ein erfahrener Mittelläufer, hatte mit Kickers Offenbach sogar 1950 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gestanden, das die Hessen knapp mit 1:2 gegen den VfB Stuttgart verloren. Die Saison 1951/52 verlief entsprechend erfolgreich. Unter dem neuen Trainer Hentschke errang der VfR schließlich mit 33:19 Punkten aufgrund des besseren Torverhältnisses (73:40) vor drei punktgleichen Mannschaften (FV Speyer, Hassia Bingen und SG Pirmasens) die Meisterschaft. Das letzte und damit entscheidende Spiel fand am 20. April 1952 beim TuS Konz statt. Hettfleisch, Malsbenden, Weiser, Robert Weyh, Picard, Möhler, Balbier, Vogt, Pies, Nickweiler und Beyer. In dieser Aufstellung siegte der VfR glatt mit 4:0 und stieg damit in die Oberliga Südwest auf.

Der Höhepunkt: Zwei Jahre in der Oberliga Südwest

Die Spielzeiten 1952/53 und 1953/54 stellen sicher den Höhepunkt in der nun 100-jährigen Vereinsgeschichte dar: Zum zweiten Mal war man im wahrsten Sinne des Wortes "erstklassig"! Nach den negativen Erfahrungen aus der Saison 1949/50 in der Zonenliga war den Verantwortlichen klar, dass man in der obersten Spielklasse nicht ohne weitere Verstärkung würde auskommen können. So gelang es, zu dem erfolgreichen Stammkader namhafte Spieler zu verpflichten: Biontino und Böcher (von Wormatia Worms), Gräff (1. FC Sobernheim), Herbert Weyh (Singen 04) und Heinz Roos (vom FV Engers). Hinzu kam aus heimischer Region der junge Artur Wolf, später langjähriger Stammspieler des VfR. Die Saison 1952/53 begann gleich mit einem Paukenschlag. 10.000 Zuschauer wollten auf Kyrau den 1. FC Kaiserslautern sehen. Mit allen Assen (Fritz und Ottmar Walter, Eckel, Liebrich, Kohlmeyer) angetreten, holte die "Walter-Elf" den VfR schnell auf den Boden der (Oberliga-)Wirklichkeit: 6:0 hieß es am Ende für die Gäste! Auch gegen den amtierenden Deutschen Vizemeister 1. FC Saarbrücken gab es wenig zu holen. Die Mannschaft um Binkert, Martin, Balzert und Philippi, identisch mit der Nationalelf des damals autonomen Saarlandes, gewann auf Kyrau klar mit 6:2. Trotz solcher Schlappen ließen sich die Kirner in der Saison nicht entmutigen und fuhren vor allem schöne Heimsiege gegen Borussia Neunkirchen (3:0), FV Speyer (3:0), Eintracht Trier (5:1!) und Hassia Bingen (5:0) ein. Ein Höhepunkt: Der 2:1 Heimerfolg vor 8.000 Zuschauern gegen den Oberliga-Vizemeister TuS Neuendorf. Die Koblenzer haben übrigens dem VfR auf Kyrau fast immer "gelegen". Auswärts gab es dagegen außer zwei Siegen in Bingen und beim VfR Kaiserslautern und einem Unentschieden bei Phönix Ludwigshafen wenig zu holen. Immerhin sicherte sich der VfR am letzten Spieltag durch einen sensationellen 5:0-Sieg beim VfR Kaiserslautern Platz 14 und damit den Klassenerhalt. 22:40 Punkte bei 41:73 Toren lautete die Bilanz. Dieser Erfolg war umso bemerkenswerter, als die Rasenspieler während der Saison den Ausfall von drei wichtigen Spielern zu verkraften hatten. Am schlimmsten traf es dabei den Mannschaftskapitän Anton Picard, der schon am 19. Oktober 1952 nach einem Schien- und Wadenbeinbruch seine Karriere vorzeitig beenden musste. Den Ausfall dieses Schlüsselspielers hat der VfR nie verkraftet! Daneben fielen noch Hermann Balbier und Heinz Roos ebenfalls durch Beinbrüche mehrere Monate aus.

Mit der Hoffnung, sich weiter in der Oberliga zu konsolidieren, ging man in die Saison 1953/54. Dieses Ziel glaubte der Vorstand durch die Verstärkung mit Heinz Ziemann (von Kickers Offenbach), Erwin Brenner (Spvgg. Idar), Hans Joner (Wormatia Worms) und Ludwig Gerdes (Schwarz-Weiß Essen) zu erreichen. Dabei begann die Saison mit zwei ganz schweren "Brocken". Das Auftaktspiel beim 1. FC Saarbrücken wurde knapp und etwas unglücklich mit 2:1 verloren. Dann kam erneut der 1. FC Kaiserslautern, diesmal als frisch gekürter Deutscher Meister, auf die Kyrau. 12.000 Zuschauer kamen nach offiziellen Angaben zu diesem Spiel. Das Stadion war überfüllt! Selbst auf die so charakteristischen Pappeln, die das Spielfeld umsäumten, und auf das Tribünendach waren einzelne Schaulustige geklettert. Die beiden Aufstellungen in diesem denkwürdigen Spiel:

1. FCK: Hölz, E. Liebrich, Kohlmeyer, Eckel, W. Liebrich, Wenzel, Scheffler, Fritz u. Ottmar Walter, Wanger, Basler

VfR 07: Ziemann, Weyh, Böcher, Möhler, Malsbender, Gräff, Gerdes, Brenner, Pies, Joner, Biontino

Die Einheimischen boten dem Deutschen Meister lange einen ebenbürtigen Kampf. Kurz vor der Halbzeit gelang Ottmar Walter der erste Gästetreffer. Auch in der zweiten Hälfte blieb das Spiel lange Zeit offen. Aber außer einem Lattentreffer und zwei von Werner Liebrich und Kohlmeyer von der Torlinie "gekratzten" Bällen sollte den Rasenspielern an diesem 30. August 1953 trotz guter Chancen nichts gelingen. Im Endspurt spielten die Gäste dann ihre Routine aus und erzielten durch Wanger und Ottmar Walter noch zwei Tore zum in dieser Höhe unverdienten 3:0-Erfolg. Torwart Ziemann, Pies, Möhler, Gräff und Brenner waren die besten Kirner. Danach aber ging es mit dem VfR bergab. Oft folgte Niederlage auf Niederlage. Selbst zu Hause reichte es in der ganzen Saison nur zu drei Siegen (1:0 gegen Wormatia Worms, 3:2 gegen Tura Ludwigshafen, aber immerhin 6:1 gegen den FV Speyer) und ganzen drei Unentschieden. Hinzu kam die bekannte Schwäche auf fremden Plätzen, wo nur ein 4:1-Sieg beim VfR Kaiserslautern und zwei 1:1-Unentschieden (in Worms und in Frankenthal) heraussprangen. Vor allem die Abwehr zeigte mitunter große Schwächen, wozu die unsichere Torwartfrage, verbunden mit der Rivalität zwischen dem meist eingesetzten Ziemann und Hettfleisch, dazu beigetragen haben mag. Schließlich kamen, wie die Vereinsprotokolle belegen, vor allem in der Rückrunde Konflikte des Vorstandes mit einzelnen Spielern hinzu, die u.a. wegen Disziplinlosigkeit und Fehlens beim Training zu Geldstrafen führten. Damals wie heute: Mangelnder sportlicher Erfolg vergiftet das Mannschafts- und Vereinsklima! Auch die Stürmer trafen nicht mehr wie erhofft. So reichte es selbst bei zeitweise überlegen geführten Heimspielen wie gegen den FK Pirmasens (3:4), Saar 05 Saarbrücken (1:3), den VfR Kaiserslautern (2:2) oder den ASV Landau (1:1) nicht zum Sieg. Daher stand schon drei Wochen vor Saisonende der Abstieg des VfR in die Zweite Liga fest. Mit 13:47 Punkten bei 34:83 Toren landete man am Ende abgeschlagen auf Platz 16. Zum Schluss noch einen Blick auf die Statistik: In den drei Spieljahren in der Oberliga (die Saison 1949/50 eingeschlossen) hatte der VfR insgesamt 36 Spieler aufgeboten. Die meisten Partien bestritt Herbert Pies (87 mal), gefolgt von Herbert Weyh (81 mal). Über 50 Mal eingesetzt wurden Alfred Hettfleisch, Alfred Malsbenden, Werner Biontino, Harry Böcher, Herbert Gräff, Hans Weiser und Rudi Möhler. Die meisten Treffer gelangen Pies mit 25 Toren, gefolgt von Biontino mit 23 Treffern.

Fünf Jahre in der Zweiten Liga Südwest

Die erste Saison 1954/55 in der Zweiten Liga wurde für den VfR und seine getreuen Anhänger zu einer einzigen Enttäuschung. Dabei waren die äußeren Umstände zunächst eher verheißungsvoll. Im August 1953 konnte das neue Sportheim mit Umkleidekabinen, Duschen sowie einem Raum für die Schiedsrichter eingeweiht werden. Bis dahin hatten sich Spieler und Schiedsrichter im 300 Meter entfernten "Schützenhof" umziehen müssen: ein auf Dauer unhaltbarer Zustand! Zudem konnte der Verein zur neuen Saison neben der Reservemannschaft erstmals eine Amateurmannschaft anmelden, die in der Folgezeit durch gute sportliche Leistungen auf sich aufmerksam machen sollte. Aber mit der ersten Mannschaft ging es zunächst weiter bergab. Trotz zweier Neuverpflichtungen wie dem torgefährllichen Georg Held aus Landshut und dem Remscheider Rolf Meisch, gelang es nicht, die Abgänge so gestandener Spieler wie Herbert Weyh, Weiser, Ziemann, Gerdes und Biontino zu ersetzen. Vor allem ein Torjäger wie Werner Biontino wurde schmerzlich vermißt! Obwohl andere Stammspieler, so Hettfleisch, Balbier, Malsbenden, Möhler, Pies und Robert Weyh geblieben waren, konnte die Mannschaft nicht annähernd das gesteckte Ziel "Wiederaufstieg" erreichen. Im Gegenteil: Am Schluß war man heilfroh, nicht gleich wieder abzusteigen. Nur ein bzw. zwei Punkte Vorsprung vor den Tabellenletzten Hühnerfeld und Neuenahr sicherten den Klassenerhalt in der 2. Liga!

1955/56 lief es aber dann besser. Verstärkt durch den Engländer Geoffrey Taylor und Torwart Gerd Skudlarek (früher SV Waldhof und TuS Neuendorf) stellte die Mannschaft nach der Vorrunde den Tabellenführer. In der Rückserie erfolgte jedoch ein unerklärlicher Leistungsabfall, so dass es am Ende "nur" zum 4. Platz reichte. Schlechter dagegen lief es wieder in der Saison 1956/57, als man am Ende lediglich auf Platz zwölf landete.

Das 50-jährige Vereinsjubiläum

Vom 16. bis 23. Juni feierte die VfR-Familie mit großem Aufwand ihr goldenes Jubiläum. Das Motto hieß: "50 Jahre Wirken im Dienst des Volkssports Fußball". Den Auftakt bildete ein Festkommers, wieder im Saal des Schützenhofs. Der neue Vereinsvorsitzende Willy Frey jun. (er hatte zwischenzeitlich Ernst Seifert in dieser Position abgelöst) konnte die zahlreich erschienenen aktiven und passiven Mitglieder, aber auch eine Vielzahl von Ehrengästen aus Sport, Wirtschaft und Politik begrüßen. Die Festansprache hielt der frühere Vorsitzende August Blasius. Nach der Ehrung langjähriger Mitglieder folgte eine fast zweistündige Gratulationscour, in der Gäste vom Südwestdeutschen Fußballverband, der inzwischen wieder amtierende Bürgermeister Schneider, aber auch Vertreter befreundeter Nachbarvereine Glückwünsche und Geschenke überbrachten.

Die Jubiläumssportwoche begann gleich am nächsten Tag mit einer Überraschung. Der Oberligist TuS Neuendorf, mit dem der VfR schon früher manche Klinge gekreuzt hatte, wurde in bester Besetzung (u. a. Unkelbach, Sorger, Miltz und Hölzemann) mit 3:1 besiegt. Die Tore schossen zweimal Held und Dietz, den Gegentreffer besorgte Hölzemann. An den folgenden Tagen traten auch die anderen Mannschaften des VfR an, von den Alten Herren über die Amateurmannschaft (Meister der A-Klasse) bis hin zu Jugend und Schülermannschaften. Höhepunkt und Abschluß der Festwoche war jedoch das Freundschaftsspiel unserer 1. Mannschaft gegen Eintracht Frankfurt. Die Frankfurter, nur zwei Jahre später Deutscher Meister und danach Europalpokalfinanlist gegen Real Madrid (3:7), traten mit fast kompletter Mannschaft an, also mit bekannten Spielern wie Pfaff, Kreß, Feigenspan, Lindner, Bäumler, Höfer und Weilbächer. 5:7 endete diese denkwürdige Partie, nachdem es bei Halbzeit nur 0:1 gestanden hatte. Zweimal Meisch, Held, Gräff und Werner heißen die Kirner Torschützen.

Abschließend ein Blick auf die damaligen Aktiven, wobei diesmal auch die beiden "unteren Mannschaften" zu ihrem verdienten Recht kommen sollen. Schließlich war es nicht zuletzt der guten Nachwuchsarbeit der Jugendmannschaften zu verdanken, dass immer wieder neue Talente ihren Weg in die erste Mannschaft fanden. Kaum zu glauben: Insgesamt 170 Senioren, Jugendliche und Schüler vertraten im Jubiläumsjahr 1957 die Farben des VfR. In der Vertragsspielermannschaft standen die Spieler Hettfleisch, Klopp, Oster, R. Weyh, Balbier, Koch, Malsbenden, Meisch, Rudi Möhler, Brenner, Werner, Keller, Held, Pies, Gräff, Taylor, Böcher, Dietz, Joner und Ronald Kettern. In der Reservemannschaft wurden Klopp, Steffen, Stilz, Ridder, Pfrengle I und II, Valentin, Jakobi, Kreuscher, Heinz, Falinski, Wachsmuth, Bender, Endres, Möhler II und Bendig aufgestellt. Reichert, Werblow, Bender, Mack, Schweig, Knipf, Kettern II, Hepp, Altvater, Wildberger, Schüppenhauer und Stein waren in der Amateurmannschaft eingesetzt, die in der A-Klasse mit 52:8 Punkten die Meisterschaft errang. Ein Wort zu dem oben genannten Norbert Klopp, dem damals zweiten Torwart neben Hettfleisch. Der gebürtige Kirner zog bald darauf in den Stuttgarter Raum. Sein dort geborener Sohn Jürgen ist heute der allseits bekannte Bundesligatrainer von Mainz 05!

"Kirn steit (nicht) uff!"

Was beim Jubiläum noch keiner ahnen konnte, wurde leider bald Wirklichkeit: Nur zwei Jahre gehörte der VfR noch der Zweiten Liga Südwest und damit dem bezahlten Fußball an. Dabei verlief die Saison 1957/58 sehr verheißungsvoll, so dass die erste Mannschaft noch einmal heftig an die Pforten der Oberliga anklopfte. Der VfR mit Horst Dietz als Torjäger und den jungen Talenten Ronald Kettern und Horst Werner, lag unter Trainer Karl Kanthak fortwährend auf den oberen Rängen und gewann sogar im Oktober 1957 beim Spitzenreiter und späteren Meister Spvgg. Weisenau mit 3:2. Nach der Hinrunde lag der VfR auf dem zweiten Tabellenplatz, was auch ein Grund für die Kirner "Rappelköpp" war, ihren Fastnachtsumzug 1958 unter das Motto "Kirn steit uff!" zu stellen. Im Rückspiel gegen Weisenau führte der VfR dann vor 1500 Zuschaueren bei Halbzeit schon mit 2:0. Allerdings mußte Dietz in der 40. Minute verletzt ausscheiden. Die Gastgeber konnten also nur noch mit 10 Spielern agieren, weil es damals noch keine Möglichkeit zur Auswechslung gab. Weisenau witterte nun Morgenluft und verkürzte auf 2:1. Nur noch wenige Minuten waren zu spielen! Aber dann trat der Schiedsrichter Helmut Fritz Junior aus Oggersheim in "Aktion", ein prominenter, aber bisweilen selbstherrlicher Referee. In einer unübersichtlichen Strafraum-Situation wollte er ein Handspiel von Möhler gesehen haben. Den umstrittenen Elfmeter verwandelten die Gäste zum 2:2-Ausgleich. Dabei blieb es bis zum Schluss. Aber das "Spiel" war damit noch lange nicht zu Ende. Eine wütende Menschenmenge sah sich um den Sieg und damit die Tabellenführung betrogen und blockierte das Ausgangstor! Hitzköpfe wollten sogar dem Schiedsrichter an den Kragen! "Stumme Itsch", ein stadtbekanntes Original mit viel Muskeln und wenig Verstand schrie: "Rückt den Kerl raus, ich greif ihn mir!" Erst nach etwa 20 Minuten gelang es der Polizei doch zusammen mit Vereinsverantwortlichen den Unparteiischen durch die tobende Menge ins Vereinsheim mehr zu bugsieren als zu begleiten.

Trotz dieses Punktverlustes und unnötiger Heimniederlagen (3:4 gegen den FC Metternich oder 0:1 gegen die Spvgg. Andernach) blieb das Rennen um Platz Zwei bis zum letzten Spieltag offen, zumal auch die Konkurrenz schwächelte. So wären dem VfR doch noch der (Wieder-)Aufstieg geglückt, wenn, ja wenn ... Im letzten Spiel beim FV Engers hätte nämlich den Kirnern ein Tor, ein einziges Tor gereicht! Bei einem 1:1 Unentschieden wären die Rasenspieler bei Punktgleichheit noch an dem Tabellenzweiten Sportfreunde Saarbrücken wegen des besseren Torverhältnisses vorbeigezogen. So aber verlor man durch ein Tor von Neumeister 0:1 - aus der Traum! Folgende Mannschaft hat dieses denkwürdige Spiel bestritten: Hettfleisch, Weyh, Balbier, Brenner, Meisch, Möhler, Kettern, Pies, Held, Werner und Dietz. Oster, Koch, Werblow, Schüppenhauer und Grimm waren während des abgelaufenen Spieljahres außerdem eingesetzt worden.

Von diesem moralischen Schock, den Aufstieg so unglücklich verpasst zu haben, hat sich der VfR lange nicht erholt. Wie anders ist es zu erklären, dass nahezu die gleiche Mannschaft, die 1958 fast aufgestiegen wäre, nur ein Jahr später den bitteren We in die 1. Amateurliga antreten musste?? Die Saison 1958/59 begann schon wenig verheißungsvoll. 3:0 führte der VfR im Auftaktspiel gegen den TSC Zweibrücken, als Mitte der 2. Halbzeit das Gästetor zusammenbrach. Zwar war der Schaden schnell behoben, aber die Zweibrücker weigerten sich jetzt, trotz der Aufforderung des Schiedsrichters, weiterzuspielen. Die Partie musste abgebrochen werden. "Erst kein Glück und dann noch Pech dazu!" Diese alte Volksweisheit sollte sich nun auch für den VfR bestätigen. Zwar bekam man die Punkte gegen Zweibrücken später am "Grünen Tisch" des Sportgerichts zugesprochen, aber inzwischen hatte längst eine "Schwarze Serie" eingesetzt. Zu spielerischem Unvermögen kam, wie gesagt, eine Portion Pech. Typisch hierfür das Heimspiel gegen den Tabellenzweiten FC Homburg. 2:0 führten die Rasenspieler schon, als sich gegen Ende der 1. Halbzeit Torhüter Hettfleisch verletzte. Nach einem Zusammenprall mit einem gegnerischen Stürmer spielte er zunächst weiter, musste aber in der Halbzeit mit einer schweren Gehirnerschütterung den Platz verlassen. Bekanntlich durfte damals noch nicht ausgewechselt werden. Daher ging Mittelstürmer Held ins Tor und die Kirner mussten mit zehn Spielern weitermachen. So drehten die Gäste in der zweiten Halbzeit das Spiel noch um und gewannen mit 4:2. Damit nicht genug: Im Rückspiel in Homburg errangen die Gastgeber gegen einen tapfer kämpfenden VfR in letzter Minute noch einen 4:3-Sieg.

Nun kann man allein durch Pech nicht den Niedergang des VfR erklären. Mannschaftliche Schwächen, vor allem eine labile Deckung, wobie auch der nach seiner Verletzungspause wieder genesene Hettfleisch nicht zu seiner alten Form zurück fand, führten dazu, dass selbst aus überlegenen Spielen letztlich kein Kapital geschlagen werden konnte. Es ging bergab! Selbst ein Trainerwechsel in der Rückrunde (Walter Reemen ersetzte den glücklosen Eugen Fuhrmann) half nichts mehr. Schon vor den letzten Spieltagen stand fest: Der VfR muss die Klasse verlassen. Mit zwei Niederlagen (0:3 gegen SV Niederlahnstein und 1:3 beim ASC Dudweiler) verabschiedeten sich die Rasenspieler als Tabellenletzter (17:43 Punkte) aus der Zweiten Liga. Was damals noch niemand wusste: Es sollte ein endgültiger Abschied vom Vertragsspielerfussball sein.

Zwischenbilanz Nr. 2

Die achtjährige Vertragsspielerzeit vom 1951 bis 1959 stellte sicher einen, wenn nicht den Höhepunkt in der 100-jährigen Geschichte des VfR dar. Vor allem die dreijährige Zugehörigkeit zur Oberliga Südwest, also einer der fünf obersten deutschen Spielklassen hatte unseren Verein bei Fußballfreunden weithin bekannt gemacht. Das damals weit verbreitete Fußball-Toto (Lotto gab es in Deutschland erst seit 1956) trug zusätzlich zu diesem Bekanntheitsgrad bei. Ein solcher Aufstieg war für den relativ kleinen Verein nur in einem besonderen Umfeld möglich gewesen.

Die Kirner Industrie und hier vor allem die Lederwarenbranche erlebte in den 1950-er Jahren eine rasante Entwicklung. Es war zudem eine Zeit, als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte und Fußballübertragungen für die noch wenigen Besitzer eines TV-Gerätes selten waren. So war der "Hunger" nach persönlich erlebten Spielen ungleich größer als heute, wo sich die Fernsehzuschauer einer Flut von mehr oder weniger wichtigen Fußballspielen im TV gegenüber sehen. Ein dritter Faktor. der nicht zu unterschätzen ist, war das weit verbreitete ehrenamtliche Engagement, das dem VfR wie vielen anderen Vereinen damals zugute kam. Staunend liest man heute in der Jubiläumsschrift von 1957 die über 60 Personen umfassende Liste von Vorstandsmitgliedern, diversen Beiräten, Mitgliedern des Spielausschusses, Amateur- und Jugendbetreuer bis hin zu den Männern, die sich Sonntags bei Verkauf der Eintrittskatenoder als Platzordner engagierten. Schließlich müssen die finanzkräftigen Gönner erwähnt werden, ohne deren Hilfe der bezahlte Fußball in Kirn nicht machbar gewesen wäre. Aus dem Kreis der hiesigen Geschäftsleute und Fabrikanten, die den Verein finanziell und materiell unterstützten, sei vor allem Jakob Müller genannt. Aber auch Heini Müller, Adolf Lagrange, Friedrich Lehrmann, Heinrich Müller ("Häute-Müller) und Ludwig Kuntz müssen hier neben anderen genannt werden. Sie alle saßen damals im Vorstand oder im Beirat neben Honoratioren wie Rudolf Gümbel, Kurt Weber, Fritz Fuchs, Ernst Seifert, Theo Lagrange, Dr. Erich Frank oder August Blasius.

Der VfR war damals eine gute "Hausnummer" in Kirn. Geschäftsleute und Fabrikanten stellten besonders in der Kirner Lederwarenindustrie attraktive Arbeitsplätze zur Verfügung, was manchen von auswärts geholten Spieler den Wechsel zum VfR erleichtert hat. Geholfen haben dem Verein vor allem die oft vielen tausend Zuschauer, welche hauptsächlich die Oberliga-Spiele auf der Kyrau besuchten. Allerdings zeigte es sich gegen Ende der 1950-er Jahre, dass sich der Verein finanziell übernommen hatte. Das lag einmal an den laufenden Kosten für die Vertragsspielerabteilung. So mussten Monat für Monat (auch in den Spielpausen) die Gehälter für 14 bis 15 Spieler bezahlt werden, auch wenn sich diese in vergleichsweise bescheidenem Rahmen hielten. Laut Erinnerung von Horst Dietz erhielt ein Spieler ein monatliches Grundgehalt von 50 DM. Hinzu kamen Siegprämien von 20 DM pro Spiel und 10 DM für ein Unentschieden. Abgezogen wurden von diesem Betrag 11 DM für Steuern und Kirchensteuern pro Monat. Hinzu kamen Kosten für die Busreisen zu weit entfernten Auswärtsspielen (es gab in Rheinland-Pfalz noch keine Autobahnen), Platzwart, Masseur und, und ... Dem standen auf der anderen Seite sinkende Einnahmen gegenüber. Vor allem ließ der Zuspruch der Zuschauer gegen Ende der 1950-er Jahre, als es in der Zweiten Liga nicht mehr so lief, erheblich nach. Auch die Gönner machten sich, als es sportlich bergab ging, zunehmend rar... Wie dem auch sei: Die finanzielle Lage des Vereins war 1959 nach dem Abstieg alles andere als rosig: Der Verein war verschuldet!

Deshalb galt jetzt die eiserne Devise: Sparen! Der damals zweite Vorsitzende Dr. Theo Dröscher drückte dies auf der Generalversammlung 1960 so aus: "Es hat keinen Zweck, weiterhin Meisterschaftspläne oder Wiederaufstiegsgedanken zu den Vertragsspielern zu hegen, unser Platz ist vielmehr bei den Amateuren." Diese neue Linie hatte positive und negative Auswirkungen: Es gelang nicht zuletzt durch das Engagement des langjährigen Schatzmeisters Walter Stephan den VfR innerhalb von vier Jahren wieder schuldenfrei zu machen! Andererseits litten unter einer solchen Strategie zwangsläufig die sportlichen Ambitionen des Vereins. Wenn von vornherein der (Wieder-)Aufstieg in eine höhere Klasse quasi ausgeschlossen wird, so bleibt das nicht ohne negative Auswirkungen auf die Motivation der Spieler, die natürlicherweise den Erfolg suchen. Der Umstand, dass der VfR bereits drei Jahre später erneut abstieg, ist ein Beleg für diese These.

Das Dilemma: Durch finanzielles Engegement erreichte sportliche Erfolge und ein darauf folgendes Schuldenloch mit sportlichem Abstieg, haben den VfR in den nächsten Jahrzehnten noch zweimal in ernste finanzielle und zugleich sportliche Krisen gestürzt. Andere Traditionsvereine, wie die ehemaligen Bundesligisten Tasmania 1900 Berlin und Blau-Weiß 90 Berlin oder KSV Hessen Kassel mussten ihre sportliche Höhenflüge sogar später mit einem Konkurs bezahlen! Aber damit eilen wir der Zeit wieder voraus: Zunächst galt es 1959 für den Verein sich erst einmal im Amateurlager zurechtzufinden.

Wieder bei den Amateuren

Nach dem "Höhenflug" im bezahlten Fußball musste der VfR jetzt in der 1. Amateurliga "kleinere Brötchen backen". In der Saison 1959/60 spielte der Absteiger zwar lange um die Meisterschaft mit und erreichte am Ende Platz vier. – Ein Jahr später reichte es jedoch nur noch zu einem Rang im Mittelfeld. Inzwischen hatte es auch im Vereinsvorstand Veränderungen gegeben. So löste Hermann Kilp 1960 Willy Frey als Vorsitzenden ab, gab aber bereits zwei Jahre später dieses Amt an Dr. Theo Dröscher weiter. Dann aber 1962/63 trat das ein, womit noch einige Jahre zuvor niemand im Traum gedacht hatte. Bedingt durch einen zu dünnen Mannschaftskader und das Fehlen eines guten Torwarts (Hettfleisch und Oster hatten den Verein längst verlassen) lieferten die Rasenspieler eine ganz schlechte Saison und stieg am Ende erneut ab. So landete man in der 2. Amateurliga Nahe; der VfR war also nun viertklassig! Statt wie früher gegen Kaiserslautern, Saarbrücken, Worms, Trier oder Ludwigshafen zu spielen, hießen die Gegner jetzt Meisenheim, Birkenfeld, Odernheim, Langenlonsheim oder Algenrodt. Zum Glück erholte sich die Mannschaft bald von diesem Schock und erreichte 1963 auf Anhieb die Meisterschaft in dieser Klasse. Die nun folgenden Aufstiegsspiele brachten den VfR durch zwei 1:0-Auswärtssiege in Mombach und Gonsenheim in eine so günstige Ausgangsposition, dass in der letzten Partie, dem Rückspiel gegen den SV Gonsenheim, ein 2:2 reichte, um direkt wieder aufzusteigen. Gleichzeitig beendete mit diesem Triumph ein Spieler seine Karriere, der in fünfzehn Jahren alles für den VfR gegeben hatte: Herbert Pies! Auf den Schultern begeisterter Anhänger wurde er vom Platz getragen!

Bundesliga und Neuordnung im deutschen Fußball

Das Jahr 1963 brachte die größte Veränderung, die der deutsche Fußballsport nach dem Krieg erlebt hat. Mit der Einführung der Bundesliga um dem damit verbundenen Vollprofitum erfolgte einerseits eine wünschenswerte Konzentration der Spitzenkräfte, andererseits aber auch eine deutliche Abgrenzung zwischen finanzstarkten Großstadtvereinen und dem mehr oder weniger "armen Rest"! Jetzt hatten kleinere Vereine kaum Chancen mehr, sich - wie bisher - mit den "Großen" in einer Liga zu messen! Vielmehr wurden die fünf Oberligen ebenso wie die drei Zweiten Ligen abgeschafft. Abgesehen von den für die Bundesliga "Auserwählten" fanden sich die meisten Vereine in den fünf neu gegründeten Regionalligen Nord, Süd, Südwest, West und Berlin wieder. Die restlichen Klubs, welche sich in den teilweise umfangreichen Relegationsspielen nicht qualifizieren konnten, mussten zurück ins Amateurlager. Das bedeutete nicht zuletzt für die 1. Amateurliga Südwest eine enorme "Blutauffrischung". Der VfR konnte so seine Kräfte wieder mit altbekannten Vereinen messen: vorneweg mit Eintracht Kreuznach, das in der Relegation nur durch zweimaliges Lospech (die Entscheidung durch Elfmeterschießen kannte man noch nicht) direkt aus der Oberliga in die 1. Amateurliga abgestiegen war. Hinzu kamen "von oben" noch die Spvgg. Weisenau, Hassia Bingen, der FV Speyer und der FSV Schifferstadt.

Ein erstes Schlagerspiel fand auf dem traditionsreichen Kreuznacher Sportfeld "An der Heidenmauer" statt. Der VfR traf dort vor 2000 Zuschauern auf den fast kompletten Oberligakader der Eintracht (u. a. mit Kappel, Meininger, Kuntz, Klein, Rohmann und Uli Meyer). Nur knapp mit 0:1 unterlagen die Kirner nach spannendem Spiel. Überragend: der reaktiossichere Torwart Mehlmann! Am Saisonende stand ein sicherer Mittelfeldplatz, was für den "Neuling" in dieser starken Liga sicher ein Erfolg war. Nicht zuletzt ein Verdienst von Herbert Pies, der nun als Trainer fungierte, und des schussstarken Sturms, in dem allein Horst Dietz 17 und Manfred Diel 16 Treffer erzielen. Außerdem konnten mit Otto Horbach (von TuS Becherbach) und Harald Reemen (aus der eigenen Jugend) später langjährige Spieler für die 1. Mannschaft gewonnen werden. In der Saison 1963/64 landete man auf dem neunten Rang. Dabei hatte die Saison recht unglücklich begonnen. Im traditionellen Auftaktspiel am Kirmessonntag unterlag man wieder dem Lokalrivalen aus Kreuznach mit 2:4, nachdem man bei Halbzeit noch 2:0 geführt hatte. Immerhin gelang dann im Rückspiel eine eindrucksvolle Revanche. Am vorletzten Dezembersonntag besiegten die Rasenspieler den alten Rivalen an der "Heidenmauer" sensationell mit 6:3! Ein Sieg, der Walter Fuchs, einen der getreuesten VfR-Anhänger, zu dem Ausspruch verleitete: "Das ist mein schönstes Weihnachtsgeschenk!" Waren das noch Zeiten ...

Zu Beginn der Saison 1964/65 kam dann Hans Reuter hinzu. Der schnelle Rechtsaußen hatte sich zuvor als 100-Meter-Sprinter (Bestzeit 10,8 Sek.) als Weitspringer und Fünfkämpfer überregional einen Namen gemacht. Zusammen mit Linksaußen Dietz bildete er die legendäre "Flügelzange". Überlegener Meister wurde in dieser Saison 1964/65 übrigens ein Neuling: der SV Alsenborn. Gegen den Pfälzer Dorfverein, den viele als "Ableger" des nahen 1. FC Kaiserslautern bezeichneten, weil einige Spieler (Hölz, Mangold, Render, Fritz Fuchs) von dort kamen, erzeilte der VfR mit einem 0:0 und einer knappen 3:4 Niederlage zwei beachtliche Resultate. Alsenborn sollte bald darauf noch Furore im bezahlten Fußball machen und zweimal - allerdings erfolglos - an die Pforten der Bundesliga anklopfen. Danach stieg der Hauptmäzen, ein Bauunternehmer, aus und so, wie aus dem "Nichts" aufgestiegen, verschwand der Dorfverein wieder in der Anonymität unterer Spielklassen. So teilen die Pfälzer das Schicksal anderer, früher so bekannter Vereine. Wer kennt heute noch den Ludwigshafener SC, die Sportfreunde Saarbrücken. VfR Kaiserslautern, VfR Frankenthal oder die Spvgg. Andernach ?? "Kurz ist der Ruhm der Welt!" - Das wussten schon die alten Römer. Umso mehr gilt dieser Satz in unserer heutigen, so schnelllebigen Zeit.

Zweimal Teilnahme um die Deutsche Amateurmeisterschaft

Zurück zum VfR! Verstärkt durch talentierte Nachwuchskräfte wie Werner Dubravski, Harry Dörrenbächer und Armin Schmidt brachten die Spielzeiten 1965/66 und 1966/67 den Rasenspielern nochmals schöne Erfolge. 1966 wurde die Mannschaft hinter dem VfR Kaiserslautern Vizemeister in der Ersten Amateurliga, allerdings punktgleich mit Bavaria Wörth. Nach einem Entscheidungsspiel in Kirchheimbolanden, das der VfR souverän mit 5:0 gewann, stand die Teilnahme an der Deutschen Amateurmeisterschaft fest. Diese Meisterschaft wurde seit der Einführung des Vertragsspielertums von 1951 bis 1998 ausgespielt und sollte den "kleineren", also den obersten Amateurverein die Möglichkeit geben, "ihren" Deutschen Meister zu ermitteln. Allerdings hatte die Amateurmeisterschaft eine Besonderheit: Da die Meister der obersten Amateurligen in Qualifikationsrunden um den Aufstieg in die Regionalligen beschäftigt waren, nahmen in der Regel nur die jeweils Zweitplatzierten an diesem Wettbewerb teil. Der Begeisterung der Kirner Zuschauer tat dies jedoch keinen Abbruch.

2000 Besucher waren am 18. Mai 1966 auf Kyrau erschienen, als der VfR den württembergischen Vertreter Union Böckingen, in Heilbronn beheimatet, zum ersten Qualifikationsspiel empfing. Folgende Rasenspieler traten an diesem Tag an: Horbach, Werblow, Adam, Balbier, Diel, Reemen, Dubravski, Norbert Hoffmann, Dörrenbächer, Schmidt und Günter Hoffmann. Das Spiel verlief dramatisch, ganz nach dem Geschmack der Zuschauer. Die Gäste kamen zunächst schneller ins Spiel und führten nach 27 Minuten bereits 2:0. Dann aber besann sich der VfR seiner kämpferischen und spielerischen Tugenden. Durch Treffer von Werner Dubravski und dem damaligen Torjäger Nr. Eins Harry Dörrenbächer sowie einem Böckinger Eigentor dreht man den Spieß um und führte bis kurz vor Schluss 3:2. Dann gelang den Gästen noch der letztlich verdiente Ausgleich.

Das Rückspiel in Heibronn, in dem Adam durch Hans Reuter ersetzt wurde, stand dagegen für den VfR unter einem schlechten Stern. Schon kurz nach Beginn verletzte sich Armin Schmidt. Da es damals immer noch keine Auswechselmöglichkeiten gab, konnte er nur noch als Statist auf Linksaußen weiter spielen oder besser gesagt humpeln. Ähnlich erging es später Norbert Hoffmann, der gegen Spielende ganz ausscheiden musste. Derart geschwächt, konnten die Kirner den 0:0-Pausenstand später nicht mehr mithalten und unterlagen schließlich mit 3:0. Damit kam Böckingen eine Runde weiter, der VfR war ausgeschieden.

Was damals keiner ahnte: Ein Jahr später sollte sich das Gleiche noch einmal wiederholen. Am Ende der Saison 1966/67 war der VfR nämlich wiederum Vizemeisterder Amateurliga, diesmal hinter dem Ludwigshafener SC. Damit war man erneut für die Amateurmeisterschaft qualifiziert. Gleich in der ersten Runde stieß man jedoch auf einen ausgesprochenen Favoriten. Die Amateurmannschaft vom Hannover 96 war bereits dreimal Deutscher Meister geworden und hatte spielerisch gesehen durchaus gutes Regionalligaformat. 2000 Zuschauer kamen zum Hinspiel auf die Kyrau, sogar das Südwestfunk-Fernsehen war dabei. Aber dann folgte die kalte Dusch! Die Besucher sahen ein über weite Strecken einseitiges Spiel, im dem der Gagner aus Hannover der an diesem Tag indisponierten VfR-Mannschaft in allen Belangen überlegen war. Konnten kühne Optimisten bei einem 0:2-Halbzeitrückstand noch auf eine Wende hoffen, so spielten die Gäste in der 2. Hälfte ihre ganze Routine und Cleverness aus, ließen Ball und Gegener laufen. 6:0 hieß es am Ende für Hannover 96, ein auch in dieser Höhe verdienter Erfolg.

Das Rückspiel in der niedersächsischen Landeshauptstadt war demnach nur eine Formsache. Immerhing gelang es den demoralisiertenKirn, die erneute Niederlage mit 0:4 wenigstens in Grenzen zu halten. Man war also wieder in der 1. Runde ausgeschieden! Immerhin: Trotz dieser vergeblichen Anläufe war die zweimalige Teilnahme an der Amateurmeisterschaft an sich schon ein Erfolg für die Rasenspieler, auf dem man stolz sein konnte.

In kleinem Rahmen wurde kurz darauf das 60-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Am 24. Juni 1967 tragen scih Aktive und Passive im Gesellschaftshaus zu einer Generalversammlung, bei der Dr. Dröscher langjährige und verdienstvolle Mitglieder besonders auszeichnete. Ein "gemütliches Beisammensein" mit einer Tanzkapelle schloss diese Veranstaltung.

Danach ging es leider wieder bergab. In den folgenden zwei Spielzeiten nahm der VfR immerhin noch einen mittleren Tabellenplatz in der 1. Amateurliga ein. 1969/70 aber kam es knüppeldick. Eine verkorkste Saison mit Verletzungspech, aber auch viel eigenem Unvermögen (allein fünf Platzverweise!) führten im Mai 1970 dazu, dass man als Tabellenvorletzter mit 17:43 Punkten zum zweiten Mal in die Zweite Amateurliga Nahe abstieg.

Vier Jahre Zweite Amateurliga

Dass der Spielbetrieb in der Viertklassigkeit diesmal länger dauerte, genauer von 1970 bis 1974, hatte im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen befand sich die erste Mannschaft im Umbruch: Langjährige Leistungsträger wie Dietz, Balbier, Werblow, Reuter, Adam die Brüder Hoffmann und Diel hatten aus Altersgründen inzwischen aufgehört. Zudem verließ Torjäger Dörrenbächer den Verein und schloss sich nach einem kurzen Zwischenspiel dem SV Kirchenbollenbach an. Hinzu kam die starke Konkurrenz. Sämtliche Traditionsvereine aus der Naheregion spielten damals zeitweise in der Zweiten Amateurliga: 08 Oberstein, 1. FC und Spvgg. Idar (die sich später zum SC Idar-Oberstein zusammenschlossen), VfR Baumholder sowie der 1. FC Sobernheim. Selbst die Kreuznacher Eintracht musste vier Jahre durch dieses "Tal der Tränen". Hinzu kam 1971/72 eine Mannschaft, die bis dahin selbst in der Region kaum bekannt war, der SV Kirchenbollenbach. Ein örtlicher Bauunternehmer eiferte dem Beispiel des SV Alsenborn nach und holte so prominente Ex-Bundesligaspieler wie Reitgaßl, Richter und Kraftczyk vom 1. FC Kaiserslautern oder den B-Nationalspieler Theo Hoffmann vom VfB Stuttgart an die Nahe. Hinzu kam der Ex-Kirner Harry Dörrenbächer. Natürlich lockte diese prominent besetzte Mannschaft stets viele hundert Zuschauer an, so auch auf Kyrau, als der VfR vor fast 1000 Menschen im März 1971 2:1 gewann. Aber der eigentliche Durchbruch gelang selbst diesem Verein nicht. Als der Mäzen selbst in finanzielle Schwierigkeiten geriet, fiel die Mannschaft ebenso rasch wieder auseinander. Heute spielt der Verein unter dem Namen "Bollenbacher SV" in der Bezirksliga Nahe. Nachdem die Kreuznacher Eintracht inzwischen wieder aufgestiegen war, war 1972/73 der Weg zur Tabellenspitze und Meisterschaft für den VfR frei. Unter Trainer Ronald Kettern und um die Routiniers Otto Horbach – der gelernte Stürmer half zeitweise als Torwart aus -, Werner Dubravski, Harald Reemen und Armin Schmidt errangen Karl-Heinz Flesch, Günther Neuhaus, Erich Faubel, Reiner Müller, Alfred Franzmann, Hans Goldschmidt und der talentierte Lothar Müller im Frühjahr 1973 die Meisterschaft. Zwar scheiterte man anschließend in der Aufstiegsrunde, aber ein Jahr später war es soweit.

Unter dem neuen Spielertrainer Werner Entenmann erreichte die Mannschaft das Ziel: Meisterschaft und Aufstieg. Mitentscheidend war dabei die Verpflichtung der beiden Kreuznacher Gregor Rausch und Dieter Arnold. Spielerisch nicht überragend, hatte der "Lange", so wurde Arnold allgemein gerufen, jedoch alles, was ein Torjäger braucht: Er konnte dribbeln, den Ball abschirmen und besaß einen genialen Torinstinkt. In seiner Torgefährlichkeit steht er in der Nachkriegsgeschichte des VfR auf einer Stufe mit Herbert Pies, Horst Dietz, Harry Dörrenbächer oder (zwanzig Jahre später) mit Thomas Schrader. Allerdings erwies sich die Aufstiegsrunde nach der Bezirksliga- Meisterschaft äußerst dramatisch, weil die vier teilnehmenden Mannschaften in etwa gleich stark waren. Nach einem glatten 3:0-Heimsieg gegen Grünstadt holte sich der VfR bei Hassia Bingen mit 2:7 (!!) eine deftige Packung. Als selbst die Partie beim SV Hermersberg mit 0:1 verloren ging, schien das Rennen gegen die Rasenspieler schon gelaufen. Immerhin gelang es, alle drei Heimspiele zu gewinnen, wobei vor allem die 2:0- Revanche gegen Bingen ins Gewicht fiel. So musste am letzten Spieltag in Grünstadt die Entscheidung fallen, wer neben Bingen aufsteigen würde. Die Ausgangslage: Der VfR lag nur einen Punkt vor den Pfälzern. Grünstadt musste also gewinnen, den Kirnern reichte ein Unentschieden! Wer, wie mehr als 500 Kirner Schlachtenbummler mit in die Pfalz gefahren war, der wird diesen 10. Juni 1974 wohl sein Leben lang nicht vergessen. 2:0 führten die Gastgeber noch acht Minuten vor Schluss und bereiteten schon die Aufstiegsfeier vor. Aber dann kam die Stunde, oder besser gesagt die eine Minute des Lothar Müller. Mit zwei blitzsauberen Toren innerhalb von 60 Sekunden schaffte er es quasi im Alleingang das Spiel noch zu drehen und den 2:2-Ausgleich zu erzielen. Dabei blieb es dank des hervorragenden Torhüters Strohfuß bis zum Schlusspfiff.

Wohl kaum ist in der 100-jährigen Vereinsgeschichte des VfR ein Unentschieden so gefeiert worden wie in Grünstadt. Spieler, Trainer, Vorstand und die mitgereisten Fans lagen sich in den Armen! Wie ein Lauffeuer sprach sich dieser Erfolg (das Spiel war auch in der Toto-Elferwette aufgeführt) in Kirn herum. Mit Jubel wurden die "Helden" in der Stadt begrüßt, ein Empfang bei Bürgermeister Danco schloss sich einen Tag später im historischen Sitzungssaal des Stadtrates an. Folgende Spieler hatten in Grünstadt den Aufstieg errungen: Strohfuß, Goldschmidt, Armin Schmidt, Rausch, Dubravski, Reemen, Horbach, Franzmann, Arnold, Lothar Müller, Werner Entenmann und Reiner Müller.

"Mit Entenmann kam der Erfolg!"

Wie schon erwähnt, erwies sich die Verpflichtung von Werner Entenmann als ausgesprochener Glücksgriff für den VfR. Menschlich ein nobler Charakter, auf dem Spielfeld ein Könner mit unbändigem Einsatz, erwies sich der gebürtige Schwabe (er hatte u. a. für die Spvgg. Ludwigsburg un den VfB Stattgart gespielt) in jeder Hinsicht als Vorbild für seine Mitspieler. Die fünf Jahre (von 1973 bis 1978), in denen er bei den Rasenspielern wirkte, bedeuteten den letzten großen Höhepunkt in der langen VfR-Geschichte. Umso tragischer dann der Bruch, verbunden mit dem 1978 abrupten Weggang des Erfolgstrainers.

Doch der Reihe nach! - Nach dem Aufstieg kam der VfR in eine neu gebildete Klasse. Die Südwestliga war eine spielstarkte Amateuroberliga, der zu Beginn 19 Mannschaften angehörten. Durch die Gründung der (vorerst) zweigeteilten zweiten Bundesliga waren nämlich die fünf bisherigen Regionalligen aufgelöst worden. Jene Vereine, die den Sprung in die zweite Liga nicht geschafft hatten, mussten folglich zurück ins Oberhaus der Amateure. So kamen mit Eintracht Kreuznach, Südwest Ludwigshafen, dem ASV Landau und dem FV Speyer vier bekannt starke Mannschaften von "oben" in die Südwestliga. Den VfR-Verantwortlichen und dem verdienstvollen Vorsitzenden Ludwig Ensminger war klar, dass eine solche Klasse nur durch erheblichen finanziellen Einsatz gehalten werden konnte. Zumal es in der Dritten Liga längst keine reinen Amateure mehr waren, die durch "Handgelder", Einsatz- und Erfolgsprämien bei Laune, sprich Spiellaune gehalten werden mussten. Zumal es in der Dritten Liga längst keine reinen Amateure mehr waren, die durch "Handgelder", Einsatz- und Erfolgsprämien bei Laune, sprich Spiellaune gehalten werden mussten. Über dieses Thema wurde und wird öffentlich nur wenig gesprochen. Erst als dann 1977/78 die Vereinseinnahmen dramatisch sanken und die von auswärts geholten Spieler wieder in Scharen den Verein verließen, sind diese Zusammenhänge auch vielen VfR-Anhängern klar geworden. Doch zunächst blieb alles im "Grünen Bereich". Der Vorstand hatte sich nämlich wieder einmal erfolgreich auf die Suche nach Sponsoren begeben, woebei man neben anderen Gönnern vor allem bei Jakob Müller erneut ein offenes Ohr bzw. Geldbeutel fand. So konnte man den bewährten Kader bis auf Torhüter Strohfuß (er wechselte zu Wormatia Worms) halten und zudem neue Kräfte hinzu gewinnen. Dazu gehört der talentierte Außenstürmer Uwe Hahn aus Merxheim (er spielte später als Profi bei Darmstadt 98) und als neuer Torhüter Kurt Gass. Der Ex-Frankfurter war neben Rausch und Arnold die dritte "Leihgabe" von Eintracht Kreuznach. Das war nicht zuletzt dem Entgegenkommendes Eintracht-Vorsitzenden Elmar Pieroth zu verdanken, der bereitwillig Spieler aus seiner "Zweiten Reihe" für den VfR freigab.

So begannen die Rasenspieler im August die Saison 1974/75 der Amateuroberliga. Im traditionellen Auftaktspiel zur "Kerb" wurde Arminia Ludwigshafen mit 7:0 vom Platz gefegt. Allein drei Tore schoss Dieter Arnold - die 1500 Zuschauer schwebten "auf Wolke Sieben". Die kalte Dusche folgte schon acht Tage später. Am Jahrmarktsonntag ging es zum Meisterschaftsfavoriten Eintracht Kreuznach. Der alte Rivale hatte sich mittlerweiler unter Elmar Pieroth mit bekannten Ex-Bundesligaspielern wie Reichenberger, Purucker, Zacher (alle von München 1860) sowie dem Torhüter Horst Kirsch (Borussia Neunkirchen) verstärkt. Vor über 5000 Zuschauern hatte der VfR im Möbus-Stadion nicht den Hauch einer Chance: 7:0 hieß es am Schluss für die Eintracht, die schon bei Halbzeit mit vier Treffern alles klar gemacht hatte. Ein Mako für den VfR: Torhüter Gass war noch nicht spielberechtigt! Die Entenmann-Truppe ließ sich jedoch von diesem Rückschlag nicht entmutigen. Es spricht für die Moral der Mannschaft, dass man gleich das nächste Heimspiel gegen den starken ASV Landau mit 2:1 gewann. Der ab Oktober spielberechtigte Gass gab ab jetzt der Abwehr um Dubravski, Franzmann únd Schmidt den nötigen Rückhalt. Und der Sturm um Uwe Hahn, Otto Horbach, Lothar Müller und immer wieder Dieter Arnold ließ sich besonders gegen schwächere Gegner nicht lumpen: Am Ende der Saison standen 89 Treffer zu Buche. Vor allem bewiesen die Kirner in der Folgezeit Heimstärke. Selbst starke Teams wie Südwest Ludwigshafen, FV Speyer und der spätere Tabellenzweite FC Rodalben wurden auf der Kyrau besiegt. Erst im Rückspiel gegen die Kreuznacher Eintracht setzte es die erste Heimniederlage. Fast 6000 Zuschauer sahen diesmal allerdings ein ausgeglichenes Spiel, das der Tabellenführer knapp mit 1:0 für sich entschied. Da auch die weitere Rückrunde insgesamt positiv verlief, erlangten die Rasenspieler nach Abschluss der Spielserie mit 44:28 Punkten Rang fünf - ein bemerkenswerter Erfolg für den Neuling.

Der VfR war wieder Wer! Selbst das bekannte Fußballmagazin "Kicker" berichtete regelmäßig montags über unsere Spiele. Zudem brachte man einen ausführlichen Hintergrundbericht über die Mannschaft. Er trug den bezeichnenden Titel: "Mit Entenmann kam der Erfolg!" Meister und damit Aufsteiger in die 2. Bundesliga wurde, wie erwartet, die Eintracht aus Kreuznach. An deren Stelle trat 1975/76 Wormatia Worms. Der Absteiger aus der Zweiten Bundesliga galt als Meisterschaftsfavorit und strebte den sofortigen Wiederaufstieg an, was zunächst aber nicht gelang. Für den VfR lief diese Saison eher "durchwachsen", gemessen an den eigenen Ansprüchen sogar enttäuschend. "Nur" Platz 11 sprang am Ende der Saison heraus. Prompt sank die Gunst der bisher verwöhnten Zuschauer. Waren nach Angaben von Schatzmeister Noll in der Vorrunde im Schnitt noch 1000 Zuschauer auf Kyrau, sank deren Zahl in der enttäuschenden Rückserie auf 372 pro Spiel! Damit aber fehlten dem VfR ein Großteil seiner Einnahmen. Erstmals zeigten sich - finanziell gesehen - Wolken am Vereinshimmel.

Die Saison 1976/77 lief dagegen wieder besser. Noch einmal konnte sich der VfR gezielt verstärken: Die Brüder Oliver und Hermann Holste kamen von Eintracht Kreuznach, Erwin Schwehm hatte zuvor beim SV Alsenborn, 1. FC Saarbücken und SSR Reutlingen gespielt. Aus heimischer Umgebung kam Bernd Saam und Lothar Stein kehrte nach einjährigem Gastspiel bei den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern an die Nahe zurück. Sie konnten den Weggang von Dieter Arnold und Franzmann kompensieren. Wieder erlebten die Zuschauer packende Heimspiele, so ein 1:1-Unentschieden gegen Eintracht Kreuznach und einen 2:1 Sieg über Mainz 05. Der heutige Bundesligist aus der Landeshauptstadt hatte damals seine Lizenz für die 2. Bundesliga wegen finanzieller Probleme freiwillig zurückgegeben. Unvergessen das Heimspiel im März 1977 gegen Wormatia Worms. Der Spitzenreiter wurde nach einem 0:2-Rückstand schließlich noch mit 3:2 "niedergerungen", wie es in der Lokalpresse heiß. 5000 Zuschauer waren aus dem Häuschen! Übrigens: Nur ein Heimspiel ging in dieser Saison verloren: 0:1 gegen Südwest Ludwigshafen - am letzten Spieltag!

Am Ende erreichten die Rasenspieler mit 55:17 Punkten hinter Worms, Bingen und der "Eintracht" den vierten Tabellenplatz - die beste Plazierung, die man je in der Südwestliga erreichte. Aber es mehrten sich weitere Anzeichen, dass sich die finanziellen Mittel des Vereins allmählich erschöpften. Fritz Stephan, ein VfR-"Insider", schrieb schon im Mai 1977 warnende Sätze: "Wer bisher noch das Märchen glaubte, im Amateurfußball stehe der Idealismus noch immer ganz vorne, sollte sich bald eines besseren belehren lassen. Erfolg oder Misserfolg werden heute erst in zweiter Linie von der "Liebe zum runden Leder" bestimmt. Nur wo Geld eine Rolle spielt, hat die Erfolgsleiter Sprossen. Nehmen ist in diesem Monat seliger denn geben! Nur der Verein, der bereit ist, tief in die eigene oder fremde Taschen zu greifen, darf sich vielleicht einmal krönen lassen. Kenner bezweifeln jedoch, dass es in diesem Geschäft noch viele königlich-kaufmännische Geschäftsleute gibt. Wir kennen je schon einige Offenbarungseide. Ich befürchte, dass es schon bald eine Menge Eigentore gibt. Den ganz auf Erfolg und Image getrimmten DFB scheint dies alles wenig zu stören." (Zit. n. "70 Jahre VfR 07", Kirn 1977, ohne Seitenangabe)

Das wird auch ein Grund dafür gewesen sein, weshalb gute Spieler wie die Gebrüder Holste, Gregor Rausch, Roland Veeck und Uwe Hahn in der Sommerpause verließen. Trotzdem konnte man im Juni 1977 mit Stolz und Genugtuung das 70-jährige Vereinsjubiläum feiern. Mit Recht sprach Bürgermeister Danco auf dem Festkommers den Satu: "Ohne den VfR wäre die Stadt Kirn ärmer!" Folgende Spieler hatten im Jubiläumsjahr zur 1. Mannschaft gehört: Gass, Veeck, Armin Schmidt, Rausch, Dubravski, Stein, Hahn, Oliver und Hermann Holste, Schwehm, Lothar Müller, Fuchs, Saam, Otto Horbach und Spielertrainer Entenmann.

Ein schwarzer Tag und seine Folgen

Triumph und Niederlagen liegen oft nahe beieinander! - Wie dieser Satz im Leben gilt, so auch im Sport. Für den VfR sollte er sich bald auf traurige Weise bestätigen. Dabei verlief die Saison 1977/78 über weite Strecken recht verheißungsvoll. Noch einmal hatte man sich durch auswärtige Spieler wie Steigerwald und Deigle verstärkt. Das Ziel: die Qualifikation für die zur nächsten Saison geplante Amateuroberliga Südwest, die alle Spitzenvereine aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland vereinigen sollte. Zunächst sah es durchaus danach aus, als könnte der VfR einen der dafür vier notwendigen obersten Ränge erlangen. Noch am 18. April schlug die Mannschaft Eintracht Kreuznach mit 3:1 und lag auf Rang 5. Nur einen Tag später jedoch waren alle Blütenträume zerstoben!

Der 19. April 1978 war ein Schwarzer Tag für die VfR-Familie! "Entenmann fristlos gekündigt!" hieß es danach in der Kirner-Zeitung. Was war geschehen? An jenem Montag hatte der Vorstand die Spieler der 1. Mannschaft zu einer Krisensitzung ins "Parkhotel" geladen. Dort brachte es der Vorsitzende Ludwig Ensminger gleich auf den Punkt; "Der Verein hat kein Geld mehr!" Gleichzeitig verkündete er die vorzeitige Entlassung von Entenmann, der bereits kurz zuvor selbst sein Ausscheiden zum Saisonende angekündigt hatte. Nicht aus sportlichen, sondern allein aus finanziellen Gründen, so Ensminger, sei die vorzeitige Trennung erfolgt. Entenmann, der keinen schriftlichen Vertrag mit dem VfR hatten, saß plötzlich "auf der Straße!" Die anschließende Diskussion verlief naturgemäß hitzig und äußerst kontrovers.

Die meisten Spieler stellten sich hinter den entlassenen Trainer und machten zudem noch ausstehende Gehaltsforderungen geltend. Schließlich weigerten sich einige Akteure um den Mannschaftssprecher Kurt Gass, überhaupt noch einmal für den VfR aufzulaufen. Die bis dahin erfolgreiche Mannschaft brach von einem auf den anderen Tag auseinander! Neben Entenmann, der dann zu Hassia Bingen wechselte, verließen fast alle Leistungsträger den Verein. Der Rest ist schnell erzählt: Mit einer "Rumpfmannschaft", von Armin Schmidt trainiert und durch Reserve- und Jugendspieler ergänzt, brachte man die Saison mit Ach und Krach zu Ende. Von den vier restlichen Spielen gingen zwei hoch verloren: 3:11 unterlag man in Herxheim, 0:9 daheim gegen Bingen! Der 3:1 Sieg in Guntersblum und der 5:4 Sieg im letzten Spiel bei der SG Pirmasens brachte wenigstens noch einen passablen Abschluss. Zum Glück hatte der VfR vorher genügend Punkte gesammelt, so dass es am Saisonende immerhin noch zu einem 7. Platz reichte. Da die Rasenspieler aber die Qualifikation für die neue Oberliga nicht erreicht hatten, musste man in der nächsten Spielzeit (1978/79) in die Verbandsliga zurück. Aber auch da führte der Weg direkt weiter nach unten. Mit einem 2:2-Unentschieden beim VfR Frankenthal verabschiedete sich die neu formierte Mannschaft, in der von den "Alten" nur noch Schwehm, Reiner Müller, Fuchs und Spielertrainer Schmidt aktiv waren am Saisionende, auch von dieser Klasse.

Schwerer Abschied von der "Kyrau"

In dieses Jahr fiel aber noch ein anderes Ereignis: der Abschied von der Kyrau. Fast 60 Jahre, vom September 1920 bis zum Juni 1979 hatte der VfR auf diesem traditionsreichen Gelände sein "Zuhause" gehabt, davon 32 Jahre im mit viel Eigenleistungen erbauten schmucken Stadion. Große Gegner hatten dort aufgespielt: 1. FC Kaiserslautern, TuS Neuendorf (heute TuS Koblenz), 1. FC Saarbrücken, Eintracht Frankfurt, FK Pirmasens, Wormatia Worms, Mainz 05, Eintracht Trier und, und, und.... So ist es den VfR-Verantwortlichen sicher nicht leicht gefallen, sich auf Drängen der Stadtverwaltung auf ein Tauschgeschäft einzulassen. Das Stadion wurde an die Kommune verkauft, weil laut Stadtratbeschluss dort ein Schulzentrum mit Großsporthalle und einer Schulsportanlage errichtet werden sollte. Dem VfR wurde dafür, ebenso wie der SG Borussia-DPSG und dem benachbarten Tennisclub Blau-Weiß das Spielrecht in dem neuen, für 2,5 Millionen Mark errichteten Sportzentrum "Auf Loh" zugesichert. Mit dem Verkaufserlös des Kyrau-Stadions konnte eine finanzielle Grundlage für den Bau eines neuen, vereinseigenen Sportheims "Auf Loh" geschaffen werden.

Der Umzug war damals einnerhalb der VfR-Familie sehr umstritten. "Zu weit weg, zu hoch! Zu abgelegen. Wer soll da schon hingehen?" - So lauteten die Argumente der Gegner. Und in der Tat kann man heute feststellen: Der Umzug auf das "Loh" hat sich insgesamt für den VfR nicht bezahlt gemacht! Vielen treuen, gerade älteren Anhängern war der beschwerliche Weg durch den Klingelrech oder über die Fahrstraße den Berg hinauf zu beschwerlich. Da war (und ist) es für viele bequemer, sich die zahllosen Fußballübertragungen anzuschauen, die oft zeitgleich mit den Spielen der Amateurvereine im Fernsehen laufen! Die Zuschauerzahlen sanken in der Folgezeit weiter, was natürlich auch an den schwachen sportlichen Leistungen der Rasenspieler lag.

Bei der offiziellen Feier zur Einweihung herrschten allerdings optimistische Töne vor: Der frühere Kirner Bürgermeister Danco, damals schon Landrat in Bad Ems, brachte es auf den Punkt: "Möge diese herrliche Sportanlage, möge der Sport und die Leistungen des traditionsreichen VfR viele Kirner auf das Loh locken! Es wäre der große Wunsch, dass ...sich stets ein schönes Stadion fülle!" (Zit. n. "75 Jahre VfR 07 Kirn" 1982, S. 51f.) Goldene Worte - aber die rauhe Wirklichkeit sollte den VfR schnell wieder einholen! Zur Platzeinweihung hatten am 5. September 1979 die Verantwortlichen unter dem neuen Vorsitzenden Karl-Heinz Braun ein interessantes Eröffnungsspiel organisiert. Eine Auswahl der Ehemaligen aus der "Ära Entenmann" mit Horbach, Arnold, den Gebrüdern Holste, Rausch, Franzmann, Saam, Dubravski, Veeck, Stein, Lothar Müller und Werner Entenmann selbst spielten sich schnell wieder ein und gewann gegen die damals aktuelle VfR-Mannschaft mit 5:3. Die Kirner Tore schossen Joachim Schank (zweimal) und Horst Cullmann. Erstaunlich dabei: Fast alle Ehemaligen, selbst Entenmann, waren der Einladung gefolgt. Offensichtlich hatte der große "Knall" vom Frühjahr 1978 doch ein einigermaßen versöhnliches Ende gefunden. Nur langsam gelang es so etwas wie "Atmosphäre" in der neuen Sportanlage zu schaffen, wozu sicher auch das gemütliche Vereinsheim mit den ehrenamtlichen Helfern, die sich um den Freundeskreis und deren Ehefrauen gefunden hatten, beigetragen haben. Drei Namen sollen hier stellvertretend für andere besonders erwähnt werden: Ronald Kettern, Otto Horbach und das Vereinsmitgleid Wilhelm Schmitt. Die drei langjährigen VfR-Aktiven haben sich auch nach Ende ihrer Karriere immer wieder für den Verein engagiert. Und das ist - gerade heutzutage . weiß Gott keine Selbstverständlichkeit!

Aber das "Flair" der Kyrau mit den charakteristischen Pappeln und der in Eigenarbeit errichteten Holztrübüne ist "Auf Loh" nicht mehr aufgekommen. So blutete manchem VfR-Getreuen sicher das Herz, als auf Kyrau zuerst die Bäume gefällt wurden und er im August 1980 mit ansehen musste, wie Tribüne, Kassenhaus und andere Einrichtungen im Zuge der Abrissarbeiten einfach niedergebrannt wurden.

Aus und vorbei!

In unteren Regionen

Wie erwähnt, war der VfR im August 1979 wieder in der Bezirksliga Nahe, der früheren 2. Amateurliga, gelandet. In dieser Klasse blieb der Verein fünf Jahre. Für einen Wiederaufstieg fehlten die finanziellen Mittel. Die Bedienung der Hypothek auf das Vereinsheim und "Altlasten" aus der Ära Entenmann waren durch die geringen Zuschauereinnahmen kaum auszugleichen. Hinzu kam, dass finanzkräftige Gönner früherer Tage fehlten. Schließlich befand sich die Stadt durch die Krise der Lederwarenindustrie (Konkurs der Firma Jakob Müller!) im wirtschaftlichen Niedergang, was natürlich auch Auswirkungen auf den VfR hatte. Und ohne "Moos" war selbst in der Bezirksliga wenig zu holen. Selbst das traditionsreiche Kyrburg-Wanderpokalturnier, das seit 1962 alljährlich für A-Jugendmannschaften veranstaltet worden war, fiel dem Rotstift zum Opfer.

So fand das 75-jährige Vereinsjubiläum Ende Juli 1982 in gedämpfter Stimmung statt, was auch in der von Gerd Anton verfassten Festschrift ("75 Jahre VfR 07 Kirn") zum Ausdruck kam. Immerhin hatte der Vereinsvorstand um den jungen Vorsitzenden Armin Haslinger wieder eine Festwoche arrangiert. Nach dem obligatorischen Kommers traf der VfR im Eröffnungsspiel auf den Oberligisten Eintracht Kreuznach und verlor nach einer 2:0-Halbzeitführung knapp mit 2:3. Es folgten Spiele der Reserve, der 1b-Mannschaft, der "Alten Herren" und diverser Jugendmannschaften. Der Abschluss der Festwoche war zugleich der Höhepunkt. Der VfR, verstärkt durch andere Bezirksklassenspieler, traf als "Naheauswahl" auf den 1. FC Kaiserslautern. 3000 Zuschauer - Rekordbesuch auf "Loh" - wollten den Bundesligisten sehen, der mit bekannten Spielern wie Bongartz, Brehme, Melzer, Dusek und Geye angetreten war. Eine Halbzeit hielt die "Naheauswahl" mit, 0:3 stand es zur Pause! Dann aber drehten die Lauterer auf und schossen in den zweiten 45 Minuten noch 9 Tore! - so fiel die Niederlage mit 0:12 am Ende sehr deftig aus. Ein Trost: Die Vereinskasse stimmte an diesem Tag! "Gestärkt aus dem Jubiläum hervorgehend!" lautete die Parole des 1. Vositzenden Haslinger. - Das Gegenteil trat ein!

Zwei Jahre später stand der VfR am Tabellenende der Bezirksliga. Mit einer 2:3-Heimniederlage gegen den VfL Simmertal stieg man am 12. Mai 1984 erstmals in die Bezirksklasse, die früher A-Klasse Kreuznach, ab. Nun hatte man es mit "noch kleineren" Vereinen wie SV Oberhausen, FSV Rehborn, TuS Breitenheim, Spvgg. Hochstetten oder SV Norheim zu tun. Wobei diese Mannschaften oft ehrgeizig genug waren, dem einst so gro0ßen VfR in Bein zu stellen. Wie der Verfasser dieser Zeilen sich erinnert, kassierten die Rasenspieler selbst beim Nachbarverein SV Oberhausen einmal eine 2:3-Niederlage. Ein anderes Mal war man dort froh, nach einem 0:3-Rückstand noch ein 3:3-Unentschieden erreicht zu haben. Beim VfL Simmertal setzte es einmal sogar eine 8:4-Niederlage! Trainer kamen und gingen, wie Gottschalk oder Friedrich. So mussten zwischenzeitlich immer mal wieder ehemalige VfR-Aktive wie Otto Horbach, Franzmann, Schwehm oder Armin Schmidt als "Nothelfer" einspringen.

Auch das Spielerkarussell drehte sich in diesen Jahren immer wieder. Wenige Akteure, allen voran Harald Priez (insgesamt über 380 Einsätze), aber auch Alfred Wagner, Erwin Schwehm, Michael Kettern, Romeo Jelacic, Ralf Kohlhaas, Michael Emrich oder Marco Horbach hielten dem Verein über mehrere Jahre hinweg die Treue. Insgesamt aber kam die erste Mannschaft lange auf keinen "Grünen Zweig". So dümpelte der VfR sechs Jahre (1984-1990) meist im Mittelfeld der sechsthöchsten Spielklasse! Ein erster Hoffnungsschimmer schien allerdings in der Spielzeit 1987/88. Unter dem neuen Vorsitzenden Reinhold Eckart und dem Kirner "Urgestein" Otto Horbach als Trainer stand die erste Mannschaft ganz dich vor Meisterschaft und Aufstieg. Ein Tor im letzten Heimspiel gegen die Spvgg. Hochstetten hätte mal wieder genügt. Weil aber nur ein 0:0 heraussprang, musste man zum Entscheidungsspiel gegen den punktgleichen VfL Langenlonsheim nach Sobernheim reisen. 1300 Zuschauer sahen dort ein packendes Spiel, das nach 120 Minuten torlos endete. Also Elfmeterschießen! Hier war Langenlonsheim die glücklichere Mannschaft und gewann mit 4:2. Ausgerechnet Kapitän Harald Priez setzte den letzten VfR-Elfmeter gegen die Latte!

Am Ende dieser Epoche fielen noch drei Ereignisse, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Auf Initiative des verdienstvollen Ronald Kettern wurde 1987 wieder eine 1b-Mannschaft ins Leben gerufen. Sie diente als Auffangbecken für junge Talente, aber auch für Spieler, die (vorübergehend) nicht in der 1. Mannschaft zum Einsatz kamen. Zwei Jahre später trat im September 1989 eine "türkische Freizeitmannschaft" (so das Vorstandsprotokoll) an den Verein heran, mit dem Wunsch, eine eigene Mannschaft im VfR zu bilden. Verständlicherweise wurde diese Anliegen im Vostand kontrovers diskutiert, ohne zunächst zu einem Ergebnis zu kommen. Schließlich erledigte sich das Problem von selbst: Die Türken sagten von sich aus ab und gründeten 1990 ihren eigenen Verein: den SV Vatanspor Kirn, der bekanntlich heute noch existiert. Positiv hingegen wurde ein anderes Gesuch aufgenommen: Im Januar 1989 entstand unter der Leitung von Helge Woll und Kathrin Barth eine Damen-Gymnastikabteilung. Aber auch sie ist inzwischen längst Geschichte!

Mit Jürgen Wilhelm wieder aufwärts

Erst im Jahre 1989 gelang es dem Vorstand das Steuer dann doch herumzureißen. Entscheidend dafür war die Verpflichtung eines neuen Spielertrainers, dessen Namen einen guten Klang in Fußballerkreisen hatte: Jürgen Wilhelm. Der "Ed", wie sie ihn nannten, war inzwischen 38 Jahre alt, aber ein Fußballer aus Leidenschaft und mit Können. Über ein Jahrzehnt war er Stamm- und Führungsspieler bei Eintracht Kreuznach. Zwischenzeitlich bei Hassia Bingen, wurde er sogar deutschlandweit bekannt, als er 1983 ein "Tor des Monats" schoss. Dieses wurde später von den Zuschauern der ARD-Sportschau sogar zum "Tor des Jahres" gewählt! Wilhelm hatte zudem seinen Sohn Thorsten mitgebracht, so dass jetzt erstmals beim VfR Vater und Sohn in einer Mannschaft zusammen spielten! Durch die Verpflichtung weiterer Neuzugänge wie Wilhelm Hoffmann, Rolf Dill und Thomas Schiel gelang es, zusammen mit den Stammspielern endlich wieder eine spielstarke Mannschaft aufzubauen. Entsprechend positiv verlief die Saison 1989/90. Der VfR marschierte quasi im Alleingang durch die Bezirksklasse. Mit 52:8 Punkten und fast 100 Toren wurde mit 12 Punkten Abstand vor TuS Neu-Bamberg die Meisterschaft errungen! Nach zehn mageren Jahren konnten Mannschaft, Verantwortliche und der treue Anhang endlich wieder einen kleinen Triumph feiern!

Folfgende Spieler waren maßgeblich an dieser Meisterschaft beteiligt: Torhüter Schmitz, Steinebrunner, Oliver und Romeo Jelacic, Kapitän Michael Kettern, Kohlhaas, Schiel, Thorsten Wilhelm, Marco Horbach, Dill, Emrich, Alfred Wagner, Woll, Priez, Fülber, Faust und Spielertrainer Jürgen Wilhelm. In der Bezirksliga hielt 1990/91 die Aufstiegseuphorie des Neulings weiter an, zumal man sich durch Spieler wie Baumgärtner, Torhüter Schlich und den heutigen Spielertrainer Thomas Jung weiter verstärkt hatte. Trotzdem war der "Durchmarsch" durch diese Klasse alles andere als ein Spaziergang. Vor allem der SC Idar Oberstein (eine Fusion von Spvgg. und 1. FC Idar) hatte große Ambitionen, die den Verein später sogar bis hinauf in die Regionalliga West/Südwest führen sollten. 700 Zuschauer waren aufs "Loh" gekommen, als der VfR den Rivalen aus der Nachbarstadt knapp und glücklich mit 1:0 besiegte. Wie wichtig dieser Erfolg im Spitzenspiel war, erwies sich am Ende der Saison. Einen Spieltag vor Schluss lagen die Kirner nämlich zwei Punkte vor Idar auf Platz Eins. Um sicher zu gehen, musste also das letzte Spiel in Niederwörresbach zumindest unentschieden enden. Es kam noch besser: Mit Unterstützung zahlreicher Schlachtenbummler gewann man am 12. Mai 1991 diese wichtige Partie knapp, aber verdient mit 3:2. Das hieß Meisterschaft und erneuter Aufstieg! Der Jubel kannte keine Grenzen – bis tief in die Nacht feierten Mannschaft und "Umfeld" diesen Erfolg …

Fünf Jahre Landesliga (1991-1996)

In der Landesliga Gruppe West konnte sich der VfR auf Anhieb etablieren. Zu der bewährten Mannschaft war mit Thomas Schrader eine wesentliche Verstärkung hinzugekommen. Der gebürtige Thüringer erwies sich als Torjäger par excellence und steuerte immer wieder Treffer zu oft erfolgreichen Spielen bei. Zwei Jahre später stieß Bako Danladi zum VfR. Er war der erste (und bisher einzige) Schwarzafrikaner, der in der Vereinsgeschichte lange Jahre das Trikot der Rasenspieler trug. In der ersten Landesliga-Saison erreichten die Kirner 1991/92 einen achtbaren siebten Platz. Meister wurde der SV Sapbrücken, wieder eine "Mannschaft der Stunde", trainiert von dem Alt-Internationalen Lothar Emmerich. Auch dieser Verein ist inzwischen längst in der Versenkung unterer Klassen verschwunden! In der nächsten Saiosn (1992/93) ereichten die Kirner wiederum den siebten Rang.

Die beste Plazierung gelang am Ende des Spieljahres 1993/94, als die Rasenspieler auf dem 4. Tabellenpaltz landeten. Damit standen sie nur einen Platz hinter dem FK Pirmasens. Dier Traditionsverein war nicht zuletzt aus finanziellen Gründen (wirtschaftlicher Niedergang der dortigen Schuhindustrie!) bis in die Niederungen der Landesliga abgestiegen. Was aber für Kirner Lokalpatrioten noch wichtiger war: Der VfR lag am Ende weit vor dem zweiten Absteiger Eintracht Kreuznach, der nur Platz 11 belegte. Aber schon damals zogen (wieder einmal) dunkle, sprich finanzielle Wolken am VfR-Himmel auf. Ein Hauptgrund waren die abnehmenden Zuschauerzahlen. Waren es nach Angeben von Kassierer Noll in der Saison 1991/92 durchschnittlich 219 zahlende Besucher, so sank diese Zahl 1992/93 auf 149, was immerhin einen Einnahmeverlust von 12.000 DM ausmachte! Selbst Heimspiele gegen attraktive Gegner wie Pirmasens (Ergebnis 0:1) oder Kreuznach (2:1) lockten bei weitem nicht die erhofften Zuschauermengen auf das "Loh". Die Kosten aber stiegen. "Vergütungen" an die Spieler (so werden sie in den Vereinsunterlagen bezeichnet), Fahrtkostenerstattungen und nicht zuletzt das üppige Gehalt des Spielertrainers rissen - von der Öffentlichkeit unbemerkt - immer tiefere Löcher in die Vereinskasse. Man mußte ans Sparen denken!

Das wird neben sportlichen Motiven ein Grund dafür gewesen sein, dass einige Leistungsträger den Verein nach und nach verließen. Vor allem die zwischenzeitlichen Abgänge von Thomas Jung (zu Eintracht Kreuznach, später zum Oberligisten Ingelheim) und Thomas Schrader (er wechselte zu Schwarz-Weiß Kreuznach) trafen die Mannschaft empfindlich. Nur so ist es zu erklären, dass der VfR in der Saison 1994/95 plötzlich wieder gegen den Abstieg kämpfte. Nach dem letzten Spieltag lag man punktgleich mit Eintracht Kreuznach auf dem vorletzten Tabellenplatz. Also ein Entscheidungsspiel! Immerhin 1200 Zuschauer pilgerten am 25. Mai 1995 ins neutrale Sobernheimer Stadion. Sie sahen einen bis zur letzten Minute packenden Kampf. Um ehrlich zu sein: Die Eintracht hatte die besseren Chancen. Aber ein gut aufgelegter Torwart Schlich, sowie die Latte standen diesmal dem VfR zur Seite. So hieß es nach 90 Minuten noch 0:0. Also Verlängerung! Dann kam die Stunde oder besser gesagt die Minute des Oliver Jelacic. Erst kurz zuvor eingewechselt, erzielte er in der 111. Minute gegen den Kreuznacher Keeper Kessel das Goldene Tor. Der VfR gewann und blieb in der Landesliga, die "Eintracht" mussten den bitteren Weg in die Bezirksliga antreten.

Folgende Akteure bestritten dieses denkwürdige Spiel: Schlich, Keppler, Schubert, Danladi, Maurer (ab 98. Minute Jelacic), Özdemir, Lieser, Jürgen Wilhelm, Emrich (ab 90. Minute Marco Horbach), Fritsch und Faust. Das VfR-Glück war jedoch nur von kurzer Dauer. Die nächste Saison (1995/96) zeigte bereits, dass der weiter ausgedünnte Spielerkader zu schwach war, um noch in der Landesliga mitzuhalten. Hinzu kam, dass Jürgen Wilhelm, sechs Jahre lang erfolgreicher Spielertrainer, den Verein wieder in Richtung Eintracht Kreuznach verlassen hatte. Mit nur 18 Punkten - inzwischen war die Drei-Punkte-Wertung eingeführt worden - stand die Mannschaft am Ende abgeschlagen auf dem 19. Platz. Jetzt ging es doch zurück in die Bezirksliga.

Rettung in letzter Minute

Das Jahr 1996 war mit Sicherheit eines der schwierigsten in der langen VfR-Geschichte. Das lag einmal an dem erwähnten Abstieg in die Bezirksliga, aber vor allem daran, dass der Verein damals kurz vor dem finanziellen Ruin stand! Was war geschehen? Ohne sich hier in irgendwelchen Schuldzuweisungen zu ergehen, muss jedoch festgestellt werden: Der bisherige Vorstand hatte – um es so zu formulieren – schlecht gewirtschaftet. Wie aus Vereinsunterlagen hervorgeht, hatte sich am Ende seiner Amtszeit eine Schuldenlast von über 300.000 DM angesammelt! Wobei man gerechterweise hinzufügen muss, dass in dieser Summe auch hohe "Altlasten" aus früheren Zeiten enthalten waren. Wie dem auch sei: Der Verein stand also im wahrsten Sinn des Wortes vor dem finanziellen und damit sportlichen Aus!

In dieser Situation trat nach zwei teilweise turbulenten Mitgliederversammlungen im Sommer 1996 ein neuer Vorstand an. An der Spitze standen jetzt Manfred Kuhn als Erster Vorsitzender sowie Peter Wilhelm Dröscher und Horst Dietz als seine Stellvertreter. Dieses Trio machte sich – unterstützt von der damaligen Kassiererin Nicola Petry und dem neuen Geschäftsführer Wolfgang Deimer – zunächst an einen Kassensturz, also eine Bestandsaufnahme, um einen Überblick über die finanzielle Schieflage des Vereins zu erlangen. Dabei ergab es sich, dass in der Schuldenlast auch mehrere zehntausend Mark "ungerechtfertigter Forderungen" (so Manfred Kuhn) enthalten waren, deren Bezahlung der neue Vorstand erfolgreich abwenden konnte. Danach erfolgten schwierige Verhandlungen mit dem Hauptgläubiger, einer in Kirn ansässigen Bank, dem Finanzamt, das hohe Steuerforderungen erhoben hatte, sowie mit diversen anderen Gläubigern. Durch Zugeständnisse der Gläubiger bzw. ratenweise Rückzahlung gelang es innerhalb weniger Jahre die Schuldenlast merklich zu senken. Immerhin konnte Manfred Kuhn bereits auf der Mitgliederversammlung 1998 verkünden, dass die Verbindlichkeiten inzwischen um mehr als die Hälfte reduziert wurden!!

Sportlich gesehen ging es allerdings zunächst weiter nach unten: Am Ende der Saison 1996/97 stieg der VfR in die Bezirksklasse ab. Dann aber konnte die sportliche Talfahrt gestoppt werden. Trainer Lothar Koch gelang es, aus den wenigen noch verbliebenen Spielern zusammen mit Nachwuchskräften wieder eine einigermaßen spielstarke Mannschaft aufzubauen. A propos Nachwuchs: Unter der neuen Vereinsführung wurde die zuletzt vernachlässigte Jugendabteilung reaktiviert und damit wieder vereinseigene Mannschaften von der A- bis zur G-Jugend installiert. Für die erste Mannschaft erwies sich der aus Kreuznach zurückgekehrte Torjäger Thomas Schrader als entscheidende Verstärkung. Schrader schoss allein in der Saison 1997/98 in der ungeliebten Bezirksklasse Nahe-West (man spielte hier fast nur mit Vereinen aus dem Kreis Birkenfeld zusammen) 37 Tore. Ein Vereinsrekord! Der Mittelstürmer legte damit den Grundstein für die Vizemeisterschaft, die der VfR hinter dem SV Niederwörresbach errang. Nun standen Qualifikationsspiele gegen TuS Winzenheim, dem Zweiten der Bezirksklasse Nahe-Ost an, um den dritten Aufsteiger zu ermitteln. Nach einem 0:0 in Winzenheim gewann man das Rückspiel auf "Loh" mit 2:0 und spielte somit wieder in der Bezirksliga. "Das ist Wahnsinn!", jubelte Trainer Koch. Und in der Tat: Gemessen an den desolaten Verhältnissen zwei Jahre zuvor, konnte man den schnellen (Wieder-) Aufstieg schon als kleines Wunder bezeichnen.

„Aufstiegsdrama“ gegen Heltersberg

Auch in der Bezirksliga konnte sich die Mannschaft in der Folgezeit gut behaupten. Dem in der Saison 1999/2000 neu verpflichteten Trainer Dieter Müller (er hatte früher bei Eintracht Kreuznach und Hassia Bingen gespielt) gelang es, die Mannschaft weiter zu stabilisieren. Der Erfolg blieb nicht aus: Gleich im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg errang der VfR die Vizemeisterschaft in der Bezirksliga Nahe. Nun standen zwei Relegationsspiele gegen den Zweiten der Bezirksliga Westpfalz, TuS Heltersberg an. Bekanntlich gibt es Geschichten, wie sie nur der Fußball schreibt! Diese bleiben sowohl Spielern als auch Zuschauern noch lange im Gedächtnis. Solch eine Geschichte waren die drei Relegationsspiele im Mai 2000.

Der Reihe nach: Zunächst sah alles nach einem erneuten Aufstieg für den VfR aus. Das erste Spiel in Heltersberg gewann man glatt mit 3:1. Was sollte da noch passieren? Zumal im Rückspiel auf "Loh" schon ein Unentschieden gereicht hätte. Danach sah es dann auch lange aus, denn nach 90 Minuten stand es 1:1. Aber in der Nachspielzeit passierte es: Die VfR-Abwehr war leichtsinnigerweise zu weit aufgerückt und mit einem sauberen Konter erzielten die Gästestürmer noch den 2:1-Siegtreffer. Danach der Abpfiff! Heltersberg jubelte, VfR-Spieler lagen total frustriert am Boden. Da bei den Amateuren nicht das Torverhältnis entscheidet (sonst wäre der VfR nämlich aufgestiegen!), gab es ein Entscheidungsspiel. Es fand auf neutralem Platz statt, diesmal in Bedesbach-Patersbach bei Kusel. Es spricht für die Moral der Rasenspieler, dass sie sich von dem Schock des so unglücklich verlorenen zweiten Spiels rasch erholt hatten. So führte man bald mit 2:0, später noch mit 3:2. Aber wieder gelang den diesmal dezimierten Heltersbergern (ein Spieler hatte "Rot" gesehen) gegen Spielende der Ausgleich. Also Verlängerung! Obwohl Heltersberg inzwischen noch einen zweiten Spieler wegen "Gelb-Rot" verlor, ließ sich der VfR unverständlicherweise in die Defensive drängen und gab zeitweise das Heft völlig aus der Hand! Mit nur neun Spielern erzielten die Pfälzer noch zwei Tore zum 5:3. Der vierte Kirner Treffer kurz vor Ende war nur noch Ergebniskosmetik. Nach drei teilweise dramatischen Spielen war der VfR an einem "Angstgegner" gescheitert!

Landesliga-Aufstieg im zweiten Anlauf

Wieder sprach es für die Moral der Rasenspieler, dass sie sich nach dem Schock gegen Heltersberg nicht entmutigen ließen, sondern in der nächsten Saison 2000/2001 einen neuen Anlauf in der Bezirksliga nahmen. Lange Zeit sah es allerdings nicht danach aus, zumal mit dem SV Oberkirn und dem SV Niederwörresbach, zwei hartnäckige Rivalen, um den Titel mitspielten. Erst der letzte Spieltag brachte die Entscheidung! "VfR Kirn stürmt die Kirschweiler-Festung" So titelte die Allgemeine Zeitung ihren Bericht über das entscheidente Spiel am 20. Mai 2001. Wie so oft, war es Thomas Schrader, der mit zwei späten Treffern den 4:2-Sieg sicherstellte. Insgesamt 31 Tore hatte der "Vater des Sieges" (so die AZ) in der abgelaufenen Saison erzielt!

Der VfR war mit zwei Punkten Vorsprung Meister und konnte (ohne Qualifikation!) in die Landesliga West aufsteigen. Mit Winzersekt von Peter Wilhelm Dröscher und Siegesgesängen, die der treue Ronald Kettern auf seinem Schifferklavier begleitete, wurde dieser Erfolg gefeiert. Folgende 16 Spieler waren an dieser Meisterschaft beteiligt: Bill, Guido Müller, Decker, Henne, Marco Horbach, Asmussen, Markus und Michael Nikodemus, Danladi, Jurk, Kuhn, Moser, Minke, Barletta, Neu und Schrader.

Endlich wieder Verbandsliga – und gleich zurück!

Die letzten sechs Jahre waren für den VfR zunächst von einem sportlichen "Hoch" geprägt. In den beiden ersten Spielzeiten nach dem Aufstieg konnte man sich in der Landesliga fest etablieren. Zumal mit Timo Bender, Jens Wückert, Tobias Demand, Erhan Bekdemir und Thomas Jung wichtige Verstärkungen gewonnen wurden. So verwundert es kaum, dass die Rasenspieler 2003/04 eine starke Saison hinlegten. Von Beginn an mischte man ganz oben mit, konnte aber die überragende SG Rieschweiler/M. einfach nicht vom ersten Platz verdrängen. So landete der VfR am Ende zwar vier Punkte hinter dem Meister, aber immerhin 12 Punkte (!) vor dem Dritten SC Birkenfeld auf Platz Zwei. Nun bestand die Chance durch Relegationsspiele gegen den Zweiten der Landesliga Ost, FSV Oggersheim, den Aufstieg in die Verbandsliga noch durch die "Hintertür" zu erreichen. Nach einem knappen 0:1 in Oggersheim gewann der VfR das Rückspiel vor 1150 Zuschauern (darunter etwa 300 lautstarke Ludwigshafener Schlachtenbummler) recht glücklich mit 2:0. Die Gäste waren an diesem Tag die bessere Mannschaft und diktierten über weite Strecken das Spiel. Die Tore aber schoss diesmal der VfR! Das Glück, das unsere Mannschaft in dieser Partie hatte, verließ sie dann prompt im dritten, also dem Entscheidungsspiel. Die Partie fand am 6. Juni 2004 in Siegelbach bei Kaiserlautern statt. Nicht zuletzt durch eine schwache Schiedsrichterleistung (kurz nach Spielbeginn wurde ein klares Handspiel eines Oggersheimers im eigenen Strafraum nicht geahndet) verlor man schließlich mit 1:3. Wobei der letzte Treffer des Gegners unmittelbar vor dem Schlusspfiff erfolgte. Also ein weiteres Jahr Landesliga!

Noch besser verlief die Saison 2004/2005. Diesmal gab es keinen gleichwertigen Rivalen, so dass der VfR bis auf zwei Spieltage immer an der Spitze stand. Ganze drei Niederlagen verzeichnete die Mannschaft um Spielertrainer Jung, welcher Dieter Müller vor Saisonbeginn abgelöst hatte. Schon drei Spieltage vor Schluss war alles klar: Mit einem vielumjubelten 2:0 ausgerechnet gegen TuS Heltersberg stand der VfR am 8. Mai 2005 als Meister und Aufsteiger fest. 75 Punkte und 82 Tore bei nur 16 Gegentreffern lautete die stolze Schlussbilanz. Diese 17 Spieler konnten damals die Meisterschaft feiern: Strack, Wobito, Henne, Effgen, Bender, Wückert, Michael Nikodemus, Demand, Bekdemir, Minke, Barth, Schrader, Fickert, Quareti, Jarow, Meininger und Christian Reemen. Zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert spielte der VfR wieder in der Verbandsliga Südwest, konnte sich also mit bekannten Gegnern wie dem SC Idar Oberstein, der Spvgg. Ingelheim oder Südwest Ludwigshafen messen. "Verbandsliga mit 24 Flaschen Sekt begrüßt!" So hatte die Allgemeine Zeitung nach der errungenen Landesliga-Meisterschaft getitelt.

In der Tat: Die Euphorie bei der Mannschaft und Anhängern war groß. – Aber es kam wieder ganz anders! Schon ziemlich bald zeigte sich in der neuen Saison, dass der VfR den Abgang zweier so starker Spieler wie Stephan Henne (Abwehr) und Thomas Schrader (Sturm) nicht verkraftet hatte. Hinzu kam ausgesprochenes Pech. Gleich zu Beginn fielen die beiden Tormänner Strack und Wobito längere Zeit aus. So musste man den früheren Oberligatorhüter Achim Hub (SC Idar-Oberstein und SC Birkenfeld), inzwischen 38 Jahre alt als "Notnagel" verpflichten. Um es vorweg zu sagen: An Hub lag es nicht, dass die Rasenspieler in der ganzen Vorrunde eine schwarze Serie hinlegten.

Es begann schon mit dem Eröffnungsspiel gegen den Lokalrivalen SC Idar-Oberstein. Immerhin 1300 Zuschauer sahen auf "Loh" eine Partie, die der Oberliga-Absteiger und Meisterschaftsfavorit verdient mit 3:0 gewann. Das nächste Spiel beim zweiten Absteiger Spvgg. Ingelheim wurde dagegen nur knapp mit 2:1 verloren. Aber in der Folgezeit kam unsere Mannschaft einfach nicht in Tritt! Es folgte meist eine Niederlage nach der anderen. Auch hier galt die Lebensweisheit: "Wer einmal im Keller hängt…". Mit anderen Worten: Manches Spiel wurde knapp und unglücklich verloren. In einigen Fällen kamen auch schwache Schiedsrichterleistungen hinzu, die den VfR benachteiligten. Insgesamt jedoch fehlte der Mannschaft vor allem in der Vorrunde das spielerische Vermögen, um in der Liga erfolgreich mitzuhalten. Ganze fünf Punkte nach 15 Spielen bei nur einem Sieg – das sagt eigentlich alles! Die Rückserie, wieder mit Wobito und zuletzt Strack im Tor, verlief immerhin besser. So konnten noch vier Siege und zwei Unentschieden erzielt werden. Aber die Hypothek aus der schwachen Vorrunde gab letztlich den Ausschlag, dass es zum Klassenverbleib nicht mehr reichte. Mit 19 Punkten stieg der VfR als Tabellenletzter direkt wieder in die Landesliga ab.

Resümee und Ausblick

Der aufmerksame Leser wird gemerkt haben, dass der Verfasser dieser Jubiläumsschrift nicht nur kritischer Beobachter, sondern auch langjähriger Anhänger des VfR war und ist. Dazu einige persönliche Bemerkungen:

Ich habe verssucht, auf den vergangenen Seiten die 100-jährige Geschichte des VfR 07 mit Herz, aber auch so objektiv wie möglich darzustellen- Wieweit das gelungen ist, mag der Leser selbst entscheiden.

Als Quellen dienten:

  • unveröffentlichte Protokolle und Niederschriften aus dem Vereinsarchiv sowie von Horst Dietz und Peter Wilhelm Dröscher.
  • gesammelte Materialien aus dem Nachlass von Herbert Pies.
  • Unterlagen im Stadtarchiv Kirn, hier besonders die Sportteile der beiden Kirner Tageszeitungen.
  • Chroniken in den jeweils 50., 60., 70. und 75. Vereinsjubiläen, verfasst von Fritz Stephan und zuletzt von Gerd Anton (beide inzwischen verstorben).
  • Mitteilungen von Zeitzeugen, seien es frühere Aktive oder sonstiges Mitglieder des VfR.
  • Nicht zuletzt auch meine eigenen Erinnerungen haben zu dieser Niederschrift beigetragen.

Zwei Dinge sollten in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt sein. Die vorliegende Vereinschronik bleibt zwangsläufig lückenhaft, allein aus Platzgründen! So musste ich mich - sportlich gesehen - weitgehend auf unsere Erste Mannschaft beschränken. Dadurch konnten die anderen Vereinsmannschaften leider nur am Rande berücksichtigt werden.

Eine zweite Überlegung: Auch "Auf Loh" erlebt man es bisweilen, dass über die Heimmannschaft gemeckert wird und einzelne Spieler oder der Trainer lautstark kritisiert werden. Bei manch berechtigter Kritik sollte man jedoch eines bedenken: Es ist leicht von außen, also von den Zuschauerrängen her zu kritisieren. Aber unten auf dem Rasen erfolgreich zu spielen, ist eine ganz andere Sache! Wäre also nicht gerade dann, wenn es einmal nicht so läuft, Aufmunterung und Anfeuerung die bessere Alternative? Ähnliches gilt gegenüber den Verantwortlichen im Vereeinsvorstand und in anderen Funktionen. Sie machen ihre Arbeit mit Engagement und weitgehend ehrenamtlich. Und das ist - gerade heutzutage - keine Selbstverständlichkeit!

Noch einmal zur Vereinsgeschichte: Wie dargestellt, haben hier in den vergangenen 100 Jahren manche Höhen und Tiefen gewechselt. Sportlich gesehen sogar zwischen Oberliga und Kreisklasse! Und über die finanziellen Abgründe, vor denen unser Verein gelegentlich stand, braucht hier kein Wort mehr verloren zu werden.

Auch die gerade abgelaufene Saison 2006/07 verlief sehr "durchwachsen"! Nach einer verheißungsvollen Vorrunde geriet die Erste ´Mannschaft unter Spielertrainer Thomas Jung in ein unerklärlich lang anhaltendes Formtief. Am Schluss konnte mann sogar froh sein, wenigstens die Landesliga "gehalten" zu haben. Besser lief es dagegen für die Zweite Mannschaft, die seit einigen Jahren eine Spielgemeinschaft mit dem SV Meckenbach eingegangen ist. Mit ihrem Spielertrainer Michael Minke stand sie fortwährend auf einem der oberen Ränge der Kreisliga Nahe-Mitte und belegte kurz vor Saisonende Platz drei.

Erfreuliches gibt es aus der Jugendabteilung zu berichten. Die A- und B-Junioren spielten in der abgelaufenen Saison sogar in der jeweiligen Südwestliga. Zwar sind beide Teams inzwischen wieder abgestiegen, doch scheint hier ein hoffnungsvolles Potenzial von Spielern für die Zukunft heranzuwaachsen. Auch die übigen Altersklassen von der C-Jugend bis hin zu den "Bambinis" sind beim VfR gut besetzt. Wobei auch ein Dankeschön an die engagierten Trainer und Betreuer zu richten ist.

Auch für die "Alten" ist Platz im VfR! Während die U 50 in einer Spielgemeinschaft mit dem SC Kirn-Sulzbach einen regelmäßigen Freundschaftsspielbetrieb betreibt, gibt es bei der Ü 50 vornehmlich Trainingseinheiten- und als Ableger eine VfR-Reisegruppe, die Deutschland in jährlich wechselten Zielen erkundet. Gemeinsam ist beiden Mannschaften, dass sie den Verein bei Bedarf im sportlichen oder wirtschaftlichen Betrieb unterstützen.

Die finanzielle Lage des Vereins hat sich Dank der Bemühungen des gegenwärtigen Vorstandes und er Unterstützung durch den Förderkreis und die freiwilligen Helfer weiter entspannt. Allerdings drücken den Verein noch immer ein Teil der erwähnten Alt-Schulden, die jedoch dank einiger großzügiger Spenden zum Vereinsjubiläum weiter abgebaut werden können.

So sei abschließend ein optimistischen Blick in die Zukunft gewagt: Wenn es gelingt, die Vereinsfinanzen weiter zu konsolidieren und das ein oder andere Talent aus der Jugend in die Erste Mannschaft zu integrieren, dann können auch wieder "höherklassige" Ziele ins Auge gefasse werden.

Einem so traditionsreichen Verein wie dem VfR 07 wäre das zu seinem 100. Geburtstag jedenfalls zu wünschen!

Nach dem Jubiläum - So ging es weiter beim VfR 07 Kirn

Das das Vereinsjubiläum 2007 nicht das Ende des Vereins war, wollen wir die Historie des VfR 07 Kirn fortsetzen. Der Verfasser unserer Chronik, Dr. Ulrich Hauth, bearbeitet derzeit die Jahre nach dem 100. Geburtstag. Nach Fertigstellung erscheint diese Fortsetzung umgehend an dieser Stelle. - Wolfgang Deimer (Geschäftsführer VfR 07 Kirn e.V.)

 

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